Abgeschickt von Aus dem Internet am 21 November, 2009 um 14:26:37:
Gottschee global: Identitäts- und Geschichtsmanagement im Cyberspace
Graduiertenkonferenz: Freitag, 18. September 2009
Beginn 9:30 Uhr im Marietta Blau-Saal der Universität Wien
(Dr. Karl Lueger-Ring 1, 1010 Wien)
Abstract des Dissertationsvorhabens:
Nach dem Krieg wurde ein Narrativ konstruiert, dass jede Beteiligung oder Mitverantwortung der Gottscheer Bevölkerung an ihrer Geschichte zu leugnen versucht. Sowohl die Nazifizierung vor, als auch das aktive Mitwirken führender Gottscheer ("Volksgruppenführung") an der Umsiedlung stehen allerdings historisch außer Zweifel.
Dennoch wird in den Gottscheer Zeitungen und Eigenpublikationen konsequent die Opferrolle hervorgehoben oder Verstrickungen in den nationalsozialistische Apparat mit Umschreibungen wie "Wir haben eine Pflicht erfüllt, aus einer Überzeugung heraus, die fast nur den Grenz- und Volksdeutschen eigen war" verwischt.
Von Seite der Arbeitsgemeinschaft der Gottscheer Landsmannschaften wird die weltweite Gottscheer Gemeinde als einheitliche Gruppe mit eigener Gottscheer Identität dargestellt, die auf der gemeinsamen "alten Heimat" und der tragischen Umsiedlungs- und Vertreibungsgeschichte fußt.
Das Internet bietet einige Möglichkeiten, dieses Diktum der "einheitlichen Identität" zu falsifizieren. Die "Gottscheer Identität" muss als eine extrem hybride angesehen werden, schon allein deshalb, weil die globale Gemeinde in viele Gruppen zerfällt. Dies lässt sich beispielsweise anhand der unterschiedlichen Zugänge zur Gottscheer Vergangenheit, die die verschiedenen Websites liefern, zeigen.
Vor allem die Postings in den Gästebüchern sowie das aktive "Umschreiben" der Geschichte im Onlinelexikon Wikipedia sind Belege für die Hybridität der Gottscheer Identität und die harte Auseinandersetzung um das Monopol der Erinnerung innerhalb der Gemeinde und auch ihrer Präsentation nach außen hin.