Abgeschickt von J. Tschinkel am 08 Maerz, 2003 um 18:38:37:
Das Ende der Gottscheer
als Ethnische Gruppe;
Die Dokumentierten Tatsachen.
by John Tschinkel
1. Vorwort
Dieser Artikel stellt sich einem Thema gegenüber, das seit Ende des zweiten Weltkrieges unter den zerstreuten Gottscheer als tabu bezeichnet wurde und ist auch heute noch ein verheimlichtes Kapitel in unserer Geschichte; die wahren Tatsachen des Verlustes unserer Heimat.
In den vielen Jahren seit 1945, die Anwort auf die Frage eines Nichteingeweihten “warum habt ihr eure Heimat verlassen” war, höchstwahrscheinlich; “wir waren gegen den Kommunismus”, oder; “ wir wurden von Tito’s Jugoslawien ausgewiesen da wir gegen den Kommunismus eingestellt waren.”
Diese Anwort brachte
Bewunderung und Zuneigung in den Jahr-zehnten des Kalten Krieges wo das Entrinnen
vom Kommunismus Tausenden die Motivierung gab die Heimat für die Sicherheit
und Freiheit des demokratischen Westens, aufzugeben. Und Die, die ausgestoßen
wurden trugen die Ausstoßung als ein Abzeichen der Ehre.
Es war günstig für uns Gottscheer sich in diese Gruppe einzureihen obwohl wir
wußten daß diese Erklärung nicht die richtige war. Wir gaben diese Antwort weil
die richtige Antwort uns in Ver-legenheit brachte. Wir wollten das Trauma der
Vergangenheit vergessen und uns der Zukunft widmen in Ländern die uns als Flüchtlinge
willkommen hießen.
Die Wahrheit ist, wir wurden von dem damaligen Jugoslawien nach Ende des Krieges ausgestoßen da wir von den Befreiern als Teil des Besatzers anerkannt wurden. Wir wurden als solche anerkannt da wir es erlaubten schon in den Vorkriegsjahren in den Bannkreis der Nazis zu geraten.
In 1941, nach
der Besetzung von Jugoslawien und Annexion eines Teiles von Slowenien, akzeptierten
wir die Staatsbürgerschaft des Dritten Reiches und verpflichteten uns durch
einen Treueid zu Adolf Hitler.
Auch gaben wir Zustimmung zur Umsiedlung aus unserer über 600 Jahre alten Heimat
in das Altreich des neuen Deutschlands als Teil der Einsammlungspolitik oder
"Heimführung" von Hitler.
Unsere Heimführung aber war in das annektierte und ethnisch gereinigte Teil von Slowenien aus welchem 37,000 Slowenen zwangsweise von der Deutschen Besatzungsmacht ausgesiedelt wurden. Die Vertriebenen verbrachten die nächsten vier Jahre als Zwangsarbeiter im Reich und nur weniger als die Hälfte kehrte wieder in deren Heimat zurück.
Nach dem Ende des Krieges wurden wir vom damaligen Jugo-slawien als Angehörige des Dritten Reiches ausgestoßen. Wir hatten unsere Jugoslawische Staatsangehörigkeit und unsere wirkliche Heimat im Jahre 1941 abgewiesen, wir waren unerwünscht im neuen Staat und wir durften nicht zurück in unser Land wo wir für über 600 Jahre friedlich lebten.
Es ist daher nicht
überraschend das die ausgewiesenen Gottscheer die Frage “warum habt ihr
eure Heimat verlassen” mit der obigen, Zuneigung hervorrufenden Erwiderung,
beantworteten. Wir wußten, undeutlich, das uns große Kräfte manipulierten, doch
waren uns die Einzelheiten nicht bekannt. Damals stellten wir uns zu einer Seite,
wir wählten unsere Zukunft und wurden heimatlos. Jetzt aber wollten wir vergessen.
In den Jahrzehnten seit der Ausweisung wurde uns klar wir wurden von unseren
eigenen Leitern die im Dienste der Einsammlungspolitik der Dritten Reiches wirkten,
manipuliert. Diese Politik war ungefähr auf die folgende Weise aufgebaut:
Annektierung
von Teilen des eroberten Landes,
Vertreibung der ansässigen, nicht Deutschen Bevölkerung,
Ansiedlung des Annektierung Landes mit "heimgeführten" Volksdeutschen.
Ethnische Reinigung, Nazi Stil.
Vorerst aber müssen die Volksdeutschen, im diesen Falle die Gottscheer, in den Bann der Nazis gebracht werden.
Die politisch einfachen Gottscheer der ‘30er Jahre kamen in diesen Bannkreis durch Eifer einer Gruppe junger Gottscheer, die zur Hitler Ideologie besonders für diesen Zweck konvertiert wurde.
Diese Gruppe erhielt die Aufgabe die legitime Leitung der Gottscheer abzuschieben, ihre Landsleute dann auf jede Weise zur Verzichtung ihres 600 jährigen Erbgutes zu überreden und sie zur Umsiedlung in andere Teile des eroberten Slowenien, aus welchem die ansässigen vertrieben wurden, zu bringen. Die neue junge Leitung vollendete diese Aufgabe mit Begeisterung und zur Befriedigung ihrer Meister.
Mit dieser Tat brachten sie uns die Heimatlosigkeit.
Die detaillierte
Rolle dieser neuen Leitung in deren Aufgabe wurde uns Ausgewiesenen für viele
Jahrzehnte verheimlicht. Im letzten Jahrzehnte, leitenden Mitglieder dieser
Gruppe wurde sogar Eintritt in Gottscheer Organisationen die unsere Geschichte
erhalten, erlaubt.
Beweise sind vorhanden die es anzeigen das diese Individuellen jetzt wieder
mit beträchtlichen Einfluß wirken und wieder Zwietracht sähen. Sie brachten
es sogar dazu Andere zur Verteidigung ihrer Taten im Dienste des Dritten Reiches
zu überzeugen.
In einem Artikel in der April 1998 Ausgabe der Gottscheer Zeitung, Dr. Viktor Michitsch, Vorsitzender der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt, erklärt seinen Lesern einen Bericht des Historiker Zdravko Troha. Der Bericht von Troha unter den Titel “Gottscheer Deutschen” erschien im Dolenjski list, eine Zeitschrift die in Novo Mesto, Slowenien herausgegeben wird.
In seinen Artikel, “Erklärung
zu einem Bericht im Dolenjski list”, Dr. Michitsch widerspricht die
von Herr Troha angegebenen historischen Ereignisse über die Umsiedlung der
Gottscheer. Leider zitiert Dr. Michitsch nicht alle Behauptungen von Troha,
die ihn zu seinen Erklärungen bringen und auch festigt Dr. Michitsch seine
Widersprüche nicht mit dokumentierten Tatsachen.
Dr. Michitsch verteidigt seine Erklärungen nur mit persönlichen Beobachtungen
und daher kann der Leser diese Widersprüche des Vorsitzenden nicht als historische
Tatsachen annehmen.
Da ich mich zu
diesen Lesern zähle, werde ich versuchen die Erklärungen von Dr. Michitsch
durch dokumentierte Tatsachen in richtige Perspektive zu stellen. Daß diese
Perspektive eigentlich das Gegenteil der Erklärung des Vorsitzenden beweisen
ist nicht über-raschend für die, die mit den Verteidigungsversuchen der Gottscheer
Umsiedlung bekannt sind.
Es finde es notwendig zu erklären was mich, als einem der aus dieser Volksgruppe
stammt, zu dieser Gegenübersetzung dem Vor-sitzenden bringt.
Ich bin einer der Gottscheer der die Umsiedlung in 1941 als Junge und junger
Mann im vollen Maße miterlebte, und seine Heimat und sein Erbgut dadurch für
immer verlor. Wie andere Gottscheer und Volks-deutsche in Ländern die unter
den Einfluß des Dritten Reiches kamen, wurden ich und meine Familie Opfer der
Einsammlungspolitik von Hitler.
Das Objekt dieser Politik war, die eroberten und angeschlossenen Länder mit
Volksdeutschen zu sichern. Das diese Einsammlungs-politik im großen ganzen,
auf kräftige ‘Unterstützung’ von Leitern der Einzusammelnden rechnete
ist klar jedem der seine Geschichte kennt.
Das war auch der Fall in der Einsammlung der Gottscheer Deutschen. Die ‘Unterstützung’ kam als psychologischer Druck, der die Gottscheer zwang sich für die Umsiedlungsoption zu entscheiden. Der Zwang kam aber nicht von den Italienern oder den Deutschen, wie es Dr. Michitsch erklärt.
Dieser Zwang kam direkt von der damaligen Volksgruppenleitung (VGL) unter dem 25 jährigen Gottscheer und SS Sturmbannführer Wilhelm Lampeter, seiner Gottscheer “Mannschaft” und seinem Propagandaorgan, die damalige Gottscheer Zeitung..
Diese Einsammlung machte uns Heimatlos.
Aber Geschichte kann nicht geändert werden. Ich, wie andere hatten uns mit dem Verlust unserer Heimat in 1941 versöhnt und die Demütigung unsere Stolzes, durch unsere eigene Landsleute, über-standen.
Leider wurde uns ab und zu, in den langen Jahren seit der Aus-weisung aus Jugoslawien in 1945, in der Gottscheer Zeitung “erklärt” welche ‘Andere’ die Schuld an unserem Verlust tragen. Diese “Anderen” waren bis jetzt “die Slowenen die uns durch ihre Assimi-lationsversuche aus unserer Heimat trieben.”
Wir überblickten
diese Verschleierung, da wir das Trauma des Verlustes vergessen wollten und
die Zukunft uns wieder freundlich zublickte.
Heute vernehmen wir aus der Erklärung des Vorsitzenden der Gottscheer Landsmannschaft,
daß er die Hauptschuld der Umsiedlung dem Nationalsozialismus anhängt.
Das ist der Wahrheit näher. Von der freiwilligen “Unterstützung” der
VGL ist leider noch immer nichts zu hören.
Im Gegenteil, die Verkündigungen des Vorsitzenden deuten an, daß der Eifer,
jede Andeutung einer Schuld von der VGL abzuweisen, und die Schuld noch immer
an andere abzuschieben, auf einem höheren Plateau angelangt ist.
Für die Ursache dieses Eifers braucht man nicht ausgedehnt zu forschen. Da
kurz nach dem Fall der Ost-West Mauer, der ehemalige SS-Sturmbannführer Wilhelm
Lampeter wieder in den führenden Kreisen den heutigen Gottscheer Leitungskreisen
auftauchte und am 21. Dezember 1997 sogar zum Ehrenmitglied ernannt wurde,
wird die Ursache klar.
Lampeter wohnt in Leipzig wo der ehemalige Nazi und SS Offizier aus einer erhöhten Universitätstellung in der kommunistischen Volksrepublik Deutschland in den Ruhestand überging.
Die Behauptungen
von Dr. Michitsch widersprechen den Tatsachen und sind daher eine Verschleierung
unserer Geschichte. Ein großer Teil der Schuld unseres Verlustes hängt an
der damaligen Leitung der Gottscheer, und die folgenden dokumentierten Tatsachen
werden beweisen daß man daher Lampeter und seine Organisation ruhig als Betrüger
ihres Volkes bezeichnen kann.
Um meine Widersprüche zu festigen werde ich die Tatsachen, hauptsächlich durch
Zitate aus Hans Hermann Frensing’s Buch “Die Umsiedlung der Gottscheer
Deutschen; das Ende einer südost-deutschen Volksgruppe”, darlegen. Dieses
Buch, die umfangreichste und zuverlässigste Quelle von Tatsachen über den Verlust
unserer Heimat, ist ein Band in der Buchreihe der Südostdeutschen Historischen
Kommission, herausgegeben in 1970.
Der Drang zu dieser
Aufgabe kommt, ironischer weise, auch vom Ansporn des Vorsitzenden Dr. Michitsch,
der uns [vor der Wieder-erscheinung von Lampeter] in einer Aufforderung unter
dem Titel; “Der Heimat dienen”, , mahnt: … “wir müssen
achten daß unsere Geschichte nicht verfälscht wird…”. [GZ, 11/89].
Ich werde beweisen daß die erfolgreiche Umsiedlung der Gottscheer der Vorbereitungsarbeit
der damaligen Leitung der Gottscheer unter Lampeter zu verdanken ist. Diese
Arbeit diente der Einsammlungs-politik von Hitler und wurde von der jungen
Leitung freiwillig angenommen.
Beweis dieser Behauptung ist in der Tatsache das diese, die sich der Überzeugungsgewalt
erfolgreich widersetzten, wie auch deren Nachkommen, auch heute noch in unserer
Heimat leben.
Ich hoffe daß meine Darlegung, im Sinne der Aufforderung "wir müssen achten daß unsere Geschichte nicht verfälscht wird", vom Leser angenommen wird. Sie ist auch die Hoffnung eines Gottscheers von der oft angewendeten Bezeichnung als Nazi befreit zu werden. Die Mehrheit der Gottscheer hat diesen Wunsch denn sie war doch nicht fähig sich der Überzeugungsmaschine der freiwilligen Dienern der Hitler Einsammlungspolitik zu widersetzen.
In den folgenden Kapiteln werde ich die Behauptungen von Dr. Michitsch einer Prüfung unterwerfen um jede Angabe in ein richtiges Perspektiv zu stellen. Zu diesem benutze ich Zitate der, von Frensing dokumentierten Tatsachen. Diese Behauptungen wurden sorgfältig der April 1998 Ausgabe der Gottscheer Zeitung entnommen und sind wie folgend:
1. “Italien und Deutschland haben am 31. August 1941 in Rom beschlossen, die Deutschen aus der ‘Provinz Ljubljana’ abzusiedeln.”Die Prüfung und
Widerlegung jedes Punktes folgt dessen Wiederholung. Jede Verarbeitung benutzt
Zitate aus Frensing um meine Gegenbehauptung mit dokumentierten Tatsachen
zu sichern. Alle Zitate geben am Ende die Seite des Frensing Buches aus welcher
das Zitat entzogen wurde, z.B., [F.S.152]
Das Zitat einzelner dokumentierten Tatsachen erklärt leider nicht den wichtigen
Hintergrund und Ablauf chronologischer Ereignisse welche die Gottscheer zur
Annahme der Aussiedlungsoption führte. Solche Einzelheiten sind völlig in Frensing
detailliert.
Aber ich biete dem Leser einen kurzen Überblick dieses Hintergrundes, im ANHANG
zu diesem Artikel an. Dieser Überblick beschreibt wie Lampeter sich in 1938
zur Leitung der Volksgruppe erhebte und dadurch in die Lage kam die Gottscheer
Landsleute zur Umsiedlung zu zwingen.
1. “Italien
und Deutschland haben am 31. August 1941 in Rom beschlossen, die Deutschen
aus der ‘Provinz Ljubljana’ ab-zusiedeln.” [M.GZ.4/98]
Tatsache ist: Der Entschluß zur Einsammlung wurde lange vorher durch Hitler
gefestigt. Daß die Italiener wenig dazu zu sagen hatten ist reichlich klar
aus dem folgenden.
Am 31. August
1941 wurde der Umsiedlungsvertrag in Rom paraphiert. Dazu die Aufzeichnung
des Deutschen Delegationsleiters und Gesandten Clodius vom 13. 8. 1941 für
Ribbentrop:
“Die sachlichen Verhandlungen verliefen ohne Schwierigkeiten. In zwei Fällen … hat
der Duce persönlich eingegriffen und entschieden das den deutschen Wünschen in
den wesentlichen Punkten zu entsprechen sei.
Über die Umsiedlung der 15,000 Deutschen aus dem Gottscheer Ländchen wurde eine
Vereinbarung getroffen, die in allen wesentlichen Punkten den deutschen Forderungen
Entspricht.” [F.,S. 47].
Artikel 1 des Umsiedlungsvertrages zeigt an:
“Die in der Provinz Laibach ansässigen oder dort geborenen und zuständigen
Volksdeutschen können in voller Freiheit in das Deutsche Reich abwandern, um
die deutsche Staatsbürgerschaft zu erwerben.
Sie verlieren die Italienische Staatsbürgerschaft in dem Augenblick, in dem
sie das Italienische Gebiet verlassen um endgültig abzuwandern.” [F.S.152]
[Den ganze Umsiedlungsvertrag findet man in Frensing an Seite 152]
Es war nicht notwendig in das Reich abzuwandern um die deutsche Staatsbürgerschaft
zu erwerben. Die Gottscheer erwarben die deutsche Bürgerschaft im Durchschleusungszug “Heinrich” der
für diesen Zweck und Annahme der Umsiedlungsoption nach Gottschee kam.
Dieser Vertrag geriet am 1. Oktober 1941 endgültig in Kraft; und damit der
Einsammlungsbefehl des Führerserlasses vom 7. Oktober 1939. Himmler übernahm
Hitlers Aufgabe unter dem Titel:
“Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums”. [RKFVD]
“Und im Frühjahr 1940 schien sich folgendes Programm ab-zuzeichnen: Aus
den an das Reich angeschlossenen Gebieten war die, als nicht deutsch eingestufte,
Bevölkerung auszusiedeln und als ‘fremdvölkisch‘ entweder zur Arbeit
ins ‘Altreich zu verbringen oder ins ‘Generalgouvernement’ abzuschieben.
Volksdeutsche, deren kulturelle Autonomie nicht gesichert werden konnte, waren
aus ihrer Heimat in die eingegliederten Ostgaue umzusiedeln.” [F.S.28]
Daß obig Zitierte gibt Beweis das der Gottscheer Umsiedlungs-vertrag von 31.
August 1941 nur die letzte Formalität der Ein-sammlungspolitik von Hitler verzeichnet.
“Wie bei anderen deutschen Volksgruppen entschied letztlich über das Schicksal
der Gottscheer der Primat der Hitlerischen Aussenpolitik.” [F.S.27]
Die Erklärung von Michitsch in Punkt 1 gibt den Eindruck, die Italiener und
die Deutschen hatten eine Unterredung bei welcher entschlossen wurde die Gottscheer
Auszusiedeln.
Daß die Italiener wenig an dem Aussiedlungsentschluß und der Umsiedlung durch
den Einsammlungsbefehl des Führerserlasses zu sagen hatten ist aus der Aufzeichnung
vom Botschafters Clodius reichlich klar.
2 “Es muß aber
besonders betont werden, daß den Umsiedlern nicht bekanntgegeben wurde, wohin
sie kommen.” [M.GZ.4/98]
Tatsache ist: Der Ansiedlungsort wurde, auf Bestreben von Lampeter, der Bevölkerung
verheimlicht. Der Ort wurde erst nach der Optierung veröffentlicht, also wenn
es nicht mehr möglich war sich gegen die Umsiedlung zu entscheiden.
Der Befehl zur
Umsiedlung kam direkt von Hitler. Lampeter berichtet über den Empfang der
Gottscheer am 26. April 1941:
“… Bei seinem Besuch in dem befreiten Marburg wurden dem Führer auch
die Vertreter der Gottscheer Volksgruppe vorgestellt. Der Führer bestätigte den
Gottscheern die von Reichsführer SS bereits am 20. April gemachte Mitteilung über
das zukünftige Schicksal der Volksgruppe.” [F.S 26]
Gleichzeitig wurde
der Sawe-Sotla Streifen:
….”den Gottscheern als künftige Heimat zugewiesen”… [F.S.48].
Auch gab ..”Hitler der Volksgruppenführung das Recht auf ‘Selbstauslese.” [F.S.62]
Die Leitung wurde auch gleichzeitig nach Berlin eingeladen (Schober, Lampeter
und Sturm) um die Einzelheiten des Führerbefehles auszuarbeiten.
“Am 14. Mai 1941 trafen drei Angehörige der Volksgruppen-führung Gottschee
in Berlin ein. Mit dem zuständigen Referenten, Dr. Stier, besprachen sie die
Modalitäten der Umsiedlung, vor allen die Vorarbeiten, die von der Volksgruppenführung
ausgeführt werden sollten.” [F.S.35,36].
Nach “W. Lampeter, Gedächtnisschrift, 9.2.1942”:
“Verhandelt wurde mit SS-Brigadeführer Greifelt und den einzelnen Dienststellenleiter
des Reichskommissariats. Besprochen wurden die Vorarbeiten, die die Volksgruppen-führung
für die bevorstehende Umsiedlung durchzuführen hatte.” [F.S.64]
Die Volksgruppenführung drängte auf eine “.. möglichst baldige Umsiedlung
..”
“Außerdem suchte die VGF die Gottscheer Bevölkerung, die der italienischen
Volkstumspolitik grundsätzlich sehr kritisch, und seit dem Einzug der Besatzungstruppen
geradezu mißtrauisch überstand, auch unter Ausnutzung dieser Haltung durch eine
schnelle Umsiedlung zu überrumpeln.” [F.S.64]
Von besonderem Interesse an einer “taktischen Generallinie” der
VGF ist der Bericht vom Leiter der Umdiedlungsstellen, SS-Obersturmbannführer
Dr. Stier:
“Belastend für die Stimmung wirkte insbesondere, daß von der Volksgrupenführung
auf Bestreben des Mannschafts-führers Lampeter das neue Siedlungsgebiet geheimgehalten
wurde. Der Mannschaftsführer erklärte mir, er könne das neue Siedlungsgebiet
nicht bekanntgeben, denn ein großer Teil der Gottscheer kenne dieses Gebiet und
wisse, daß die Höfe und Häuser dort in einem sehr schlechten Zustande waren.
Auf mein Verhalten daß Enttäuschung schlimmer wäre als aufrichtige Erklärung
der Zustande, meinte er, daß es zur Aufklärung noch immer Zeit sei nachdem
die Option abgeschlossen sei.
Auch die Tatsache, daß die Unterbringung eine Einstweilige und eine Neuplanung
und ein Neuaufbau des Siedlungs-gebietes vorgesehen ist, wollte der Mannschaftsführer
nicht den Gottscheern bekanntgeben da er eine Beunruhigung der Bevölkerung
durch die Darlegungen befürchtete.” [F.S. 94]
Eine gründliche
Beschreibung der “taktischen Generallinie” der Gruppenführung
unter Lampeter findet man in Frensing unter “Vor-bereitung der Volksgruppenführung
für die Umsiedlung”. Ein kurzer Auszug ist wichtig zum Hintergrund:
“Sowohl der Umsiedlungsbeschluss als auch das An-siedlungsgebiet wurde
der Bevölkerung nicht mitgeteilt. Damit wird die taktische Generallinie, nach
der die Volksgruppenführung vorgehen wollte, klar:
Zunächst einmal
soll die Bevölkerung optieren, erst dann - wenn es kein Zurück mehr gibt
- will man den Bauern das Ansiedlungsgebiet bekanntgeben.
Dieses Manöver wurde von vielen Gottscheern als Überrumpelung betrachtet und
dementsprechend bewertet, jedoch zu einem Zeitpunkt, zu dem diese Einstellung
den Plänen der Volksgruppenführung nicht mehr gefährlich werden konnte.” [F.S.
62].
3 “Es wurde
von den Italienern als auch von den Deutschen starker Druck auf die Bewohner
ausgeübt, der Umsiedlung Folge zu leisten.” [M.GZ.4/98]
Tatsache ist: Der Druck und Zwang kam von Lampeter und seiner VGL als Teil
der Vorbereitungsarbeit.
Die VGL übernahm diese Aufgabe freiwillig im SS Hauptquartier in Berlin in
Mai 1941. [Sehe die Zitate in Punkt 2].
Sie verlangten Unterstützung von den italienischen Besatzern nur wenn es nötig
war Widerstände von der Bevölkerung zu überwinden.
Wie unter Punkt 2 erklärt, Frensing gibt Beweis das die Gottscheer Leitung
den Umsiedlungsbeschluss, als auch das Ansiedlungsgebiet der Bevölkerung zunächst
nicht mitgeteilte. Diese Verheimlichung war daher die Ursache zur Beunruhigung
unter den Gottscheern.
“…Der Volksgruppe wurde das konkrete Ergebnis der Marburger Begegnung
mit Hitler vorerst verschwiegen; nur in allgemeinen Wendungen suchte man die
Bevölkerung zu beschwichtigen.
Gleichzeitig wurden in der Gottscheer Zeitung die Gottscheer, die sich über
die Ungewißheit beunruhigt zeigten, scharf angegriffen.” [F.S. 62].
Als Beispiel eines solcher Angriffe zitiert Frensing einen Auszug aus der Gottscheer
Zeitung; (Nr.18, Jg. 38, 1.5. 1941):
“Mögen sich doch diese Miesmacher gesagt haben lassen: Die Zukunft wird
in kürzester Zeit belehren daß sie Volksschädlinge sind und das diese Zukunft
keinen Platz für solche Volksschädlinge kennt als das Konzentrationslager.” [F.S.62]
Solche und ähnliche
Angriffe wurden in den Monaten, bis zum Abschluß der Optionfrist reichlich
vom Lampeter, seinen intimen Mit-arbeitern, seinen Sturmführern und Stürmern
und der Gottscheer Zeitung ausgeübt um die Volksgruppe zur Umsiedlungs zu
zwingen.
Frensing berichtet über diese Angriffe in den folgenden Kapiteln seines Buches:
Vorbereitungen der Volksgruppenführung für die Umsiedlung : (Seite 62)
1. Die ersten grundlegenden Maßnahmen
2. Die Schulung der Mannschaft
3. Die Bekämpfung der “Gerüchte” und die Umdeutung des bisherigen
Heimatbegriffs.
Die Opposition der Volksgruppe: (Seite 78)
1. Die Opposition aus den Reihen der Geistlichkeit
2. Die Opposition von seiten der Bürger
3. Die Opposition der Bauern aus dem “Hinterlande”
Auch zitiert Frensing einen Bericht von Dr. Viktor Michitsch, datiert 15. 7.
1965:
“Mein Vater, Georg Michitsch, Göttenitz, hatte Ende September/Anfang Oktober
1941 eine Gegencampagne gestartet. Es fanden sich mehrere Männer, unter anderen
[der bereits verstorbene] Pfarrer Joseph Gliebe bereit, der Umsiedlung Widerstand
entgegenzusetzen.
Es wurden in den Ortschaften Göttenitz, Rieg und Masern Unterschriften gesammelt
und eine Eingabe an den deutschen Konsul in Laibach gerichtet. Dabei wurde
hingewiesen daß die Umsiedlung während des Krieges unterbleiben soll.
Dies habe dann eine mächtige Hetze gegen die Männer der Gegenströmung ausgelöst.
Tatsächlich wurden die Leute so eingeschüchtert daß die Aktion keinen Erfolg
hatte….
Den Leuten wurde gedroht, man [die Italiener] würde sie nach Süditalien oder
gar Abessinien verbringen wenn sie der Umsiedlung nicht Folge leisten…” [F.S.84]
Die Schilderung
von Michitsch ist eine von vielen die den Druck und die Gewalt der Gottscheer
Leitung beschreiben. Pfarrer Gliebe war mein Lehrer (und ein guter Freund
meines Vaters) der sein Volk und seine Heimat unverschämt liebte und in der
Umsiedlung das Ende beider voraussah. Er nannte daher, wie die anderen Geistlichen,
die jungen Leiter als “Rotzbuben” daß den folgenden Standpunkt
der VGF hervorbrachte:
“ Der ‘Katholizismus’ wird im inneren Führungskreis als ‘universalistische
Weltanschauung’ behandelt die ausgerottet werden muß.” [F.S.86]
Auch ich erinnere mich an die Drohungen und die Gewalt. Ich kenne Mimi Morre,
eine Schulfreundin meiner Schwester die mit ihrem Mann und erwachsenen Kindern
noch immer in meinem Heimatort Masern wohnt. Sie schilderte graphisch die Ausübung
der Überzeugungsgewalt des Sturmführers Franz Jacklitsch auf die Antwort ihrer
Mutter; “meine Heimat ist hier”.
Er brüllte “Sie verweigern Ihre Deutsche Abstammung" und schlug sie so
hart ins Gesicht daß sie, blutend aus Nase und Ohr, niederfiel.
In seinem Vortrag “Der Heimat dienen” im Sommer 1989, Dr. Michitsch
erklärt seinen Hörern:
“Die Art und Weise, wie man die Umsiedlung dem Gottscheer beigebracht hat,
war falsch.
Man hat zunächst den Ansiedlungsort bis zuletzt geheimgehalten.
Man hat das Gebiet als eine Gegend dargestellt in welcher Milch und Honig fließen.
Man hat aber auch - und daß ist für mich unbegreiflich - in der eigenen Volksgruppe
eine Art Ausleseverfahren eingeleitet.
Wenn man das heute liest lauft es einem noch kalt über den Rücken…. .
Und diese Empfehlungen kamen von der eigenen Volksgruppe! ” [GZ, 11/89]
Heute erklärt
uns Dr. Michitsch, der Druck an die Bevölkerung kam von den Italienern als
auch von den Deutschen. Das der Druck von der VGL kam ist nicht mehr zu hören.
Tatsache ist, der Druck wurde durch den Einsammlungsbefehl angeordnet aber
von Lampeter, seiner VGL und der Gottscheer Zeitung an die Bevölkerung angebracht.
Es waren doch keine Deutsche in Gottschee, denn das Land war von den Italienern
besetzt. Und auch die Italiener sprachen kein Gottscheerisch und nur wenige
sprachen Deutsch.
Es scheint, die Ursache für diese Änderung und Verschleierung der Wirklichkeit
findet man in der Tatsache das Lampeter und Mitglieder seiner damaligen Führung
wieder in Gottscheer Leitungskreisen wirken und sogar zu ‘Kulturreferenten’ und “Ehrenmitgliedern” erhoben
wurden.
4. “Tatsache
ist also, daß die umgesiedelten Gottscheer ohne Schuld ihr Land verloren
haben.” [M.GZ.4/98]
Richtig aber ist: Die Mehrheit der Gottscheer ist schuldlos am Verlust ihres
Eigentums und ihrer Heimat da sie wehrlos gegenüber der Macht der Überzeugungsmaschine
stand. Lampeter und seine VGL darf aber nicht zu dieser Mehrheit gezählt werden.
Dr. Michitsch
benutzt Punkt 4 als Schlußerklärung;
‘da der Ansiedlungsort nicht bekanntgegeben wurde’, und
‘da starker Druck von Italienern und Deutschen ausgeübt wurde’,
‘haben die Gottscheer ohne Schuld ihr Land verloren’.
Aber es war Lampeter und seine VGL die den Ansiedlungsort verheimlichten! Aber
es war Lampeter, seine VGL und die Gottscheer Zeitung die die Bevölkerung zur
Annahme der Umsiedlungsoption zwang!
Die Mehrheit der Gottscheer ist daher schuldlos an ihren Schicksal.
Daß man aber eine Schuld an Lampeter, seinen intimen Mitarbeitern, seiner Gottscheer
Mannschaft und seinem Propaganda-organ anhängen kann ist in der folgenden Behauptung
des Leiters der Umdiedlungsstelle, SS-Obersturmbannführer Dr. Stier, gefestigt:
“Dr. Stier unterstreicht auch die wichtige Rolle der Mannschaftsführung
unter Lampeter während der Um-siedlungsvorbereitungen, ohne die eine geordnete
Aus-siedlung aus der Gottschee nicht hätte stattfinden können.” [F.S.141]
5. “Hätte
man den Ansiedlungsort bekanntgegeben, wäre wohl kein Gottscheer umgesiedelt
da sie [durch ihre Umsiedlung] die Aussiedlung der Slowenen beurteilten.” [M.GZ.4/98]
6. “An der Aussiedlung der slowenischen Bürger aus diesem Gebiet trifft
daher die Gottscheer keine Schuld.” [M.GZ.4/98]
In Punkt 5, Dr.
Michitsch erklärt nicht daß den Gottscheern, nur auf Bestreben von Lampeter,
der Ansiedlungsort verheimlicht wurde. Seine Nachbetrachtung deutet sogar
an, die Umsiedlung wäre gescheitert hatte Lampeter den Ansiedlungsort bekannt
gegeben.
In Punkt 6, Dr. Michitsch verheimlicht, wieder, den Unterschied zwischen den
Ermöglichern und deren Opfern. Seine Nachbetrachtung deutet daher an, das Lampeter
und seine VGL die Vertreibung der Slowenen beurteilten.
Mit Hilfe von Nachbetrachtung kann man beweisen, Lampeter und seine VGL tragen
Schuld an der Vertreibung der Slowenen. Das sieht man aus dem Folgenden:
Ohne “Vorbereitung” durch Lampeter hätte die Umsiedlung
nicht stattfinden können. Die Behauptung von Dr. Stier ist zeigt das an.
Ohne Umsiedlung der Gottscheer hätte man die Slowenen nicht ausgesiedelt.
Daß ist klar aus Frensing’s Kapitel “Die Aussiedlung der Slowenen” welches
zeigt das der Befehl zur Ausweisung der Slowenen gegeben wurde erst als die Umsiedlung
gesichert war.
Der Befehl zur Aussiedlung der Slovenen wurde am 18. Oktober, 1941 als “Anordnung
53/I, Staatsamt Himmler” ausgegeben. [F.S.56].
“Im Eiltempo begann die Aussiedlung der Slowenen parallel zur Umsiedlung
der Gottscheer” [F.S.59]. Der erste Zug mit Umsiedlern fuhr am 14. November,
1941 ab.
Es ist auch passend zu betonen daß die Umsiedlung der Süd-Tiroler Deutschen
scheiterte da es an einer vergleichbaren Selbstvorbereitung in Alto Adige fehlte.
[Sehe Karl Stuhlpfarrer; “Die Umsiedlung der Südtiroler und die Slowenen”].
7. “Es ist
nicht richtig daß die Gottscheer ihre gesamte Habe mitnehmen konnten.” [M.GZ.4/98]
Dr. Michitsch lehnt ab, die Behauptung von Troha, daß die ab-reisenden Gottscheer
alles in ihre neue Heimat mitnehmen konnten. Der Widerspruch erklärt ferner: “Es
blieben sowohl Vieh als auch Mobiliar und Gerätschaften in Gottschee zurück.” [M.GZ.4/98]
Tatsache ist, die Aussiedler hatten das Recht nach Artikel 6, des Gottscheer
Umsiedlungsvertrages:
“….ihre bewegliche Habe, frei von fiskalischen Lasten, mitzunehmen.
Zu den mitzunehmenden Gegenständen gehören auch das für die persönliche Arbeit
des Umsiedlers erforderliche Acker und Wirtschaftsgeräte, sowie ein Drittel des
Viehbestandes, mindestens aber ein Stück.” [F.S.152]
Sehe auch “Transportberichte” an Seite 160 im Anhang des Frensing
Buches.
Ich sehe noch Heute den Eifer meines Vaters jedes Stück seiner Habe vorsichtig
für den Transport zu sichern. Verpackt wurde jedes Möbelstück, jedes Bauernwirtschaftsgerät,
jedes Werkzeugstück und jeder Artikel in seiner Tischlerwerkstatt.
Das Geflügel wurde vor der Abfahrt in Gitterkasten eingesammelt und jedes Schwein
kam in seine eigene Holzkiste in welcher es sich niederlegen aber sonst nicht
bewegen konnte.
Das Großvieh wurde in die Lastwagen eingeführt und am Bahnhof sorgfältig in
die Waggons eingeladen. Alles kam mit und glücklich im Ansiedlungsgebiete an.
Artikel 6 des Umsiedlungsvertrages zeigt, die Aussiedler konnten ihre bewegliche
Habe mitnehmen. Dieser Artikel und die Mühe meines Vaters widersprechen völlig
die Erklärung von Dr. Michitsch und beweisen das Gegenteil dieser Behauptung..
8. “Die
Gottscheer haben auch keine Kredite erhalten, die sie nicht zurückzahlen
brauchten; sie erhielten auch keine Ausstattung. Das Slowenische ‘Vermögen
und Vieh’ gehörte der DAG [Deutsche Ansiedlungs Gesellschaft] ebenso
wie alle sonstige bäuerliche Ausstattung. Die Gottscheer waren nur Tagelöhner
auf ihren zugewiesenen Gütern”. [M.GZ.4/98]
Tatsache ist: Dieser Abstreit ist logischer Weise sinnlos und sachlich widersteht
er den Tatsachen über welche ich, als einer der das miterlebte, berichten kann.
Die slowenische
Bevölkerung im Ansiedlungsgebiet wurde plötzlich und zwangsweise aus ihrem
Lande vertrieben. Diese Bevölkerung hatte keine Möglichkeit irgend etwas
von ihrer Habe mitzunehmen, und überhaupt nicht die Bauernausstattung und
das Vieh. Alles blieb für die Ansiedler.
Die Gottscheer waren, in ihrem Gottscheer Heimatlande, Waldbesitzer mit beschränkter
Fläche pflugbaren Landes, die kaum genügte eine Familie zu versorgen.
Als solche hatten sie nicht die notwendigen Geräte die vielfach vergrößerten
pflugbaren Flächen die ihnen im Ansiedlungslande zugeteilt wurden wirtschaftlich
zu bearbeiten.
Die DAG [Deutsche Ansiedlung Gesellschaft] fand es daher notwendig diese Neubauern
mit modernen Maschinen (die auch die vorigen Besitzer nicht besaßen), und auch
mit dem nötigen Zugvieh, zu versorgend.
Ich finde daher die Verneigung der Tatsachen und auch die Erklärung von Dr.
Michitsch das all Vermögen und die zugewiesenen Güter der DAG gehörten, sowie
seine Behauptung, die Gottscheer waren nur Tagelöhner auf diesen zugewiesenen
Gütern, einer Verschleierung dienend.
Von allen was man den Deutschen der damaligen Überzeugung anhängen kann, eines
ist sicher. Sie waren ihren deutschen Bluts-brüdern treu und hatten keineswegs
die Absicht die neu ein-gesammelten Bürger des Dritten Reiches zu versklaven.
Meinem Vater, Eigentümer von 21 Hektaren in der Gottscheer Heimat, von welchen über
18 Ha. aus Wald bestanden, wurden 24 Ha. im Ansiedlungsgebiet zugewiesen. Der
neue Besitz bestand völlig aus Ackern, Wiesen und Weingarten.
Um diesen neuen Besitz richtig auszuarbeiten erhielt er von der DAG moderne
Geräte und Vieh unbedingt notwendig für die wirtschaftliche Ausbeutung der
des fruchtbaren Landes.
Auch wurden meinem Vater Zwangsarbeiter zugewiesen [wie auch anderen Bauern
im Dorfe] um den großen Hof richtig auszubeuten. Wir hatten, ab und zu, zwei
bis vier solche die zusammen mit den anderen in einer Kaserne quartiert waren
die von der DAG für diesen Zweck erbaut wurde. Die meisten von diesen Zwangsarbeitern
waren Slowenen aus Richtung Maribor, obwohl auch einige Bessaraber unter ihnen
waren.
Das Dorf erhielt für gemeinsame Benutzung, u. a., eine moderne Dreschmaschine,
zusammen mit dem nötigen Dampfmotor, um die Ernte effektiv zu verarbeiten.
Auch erhielt das Dorf einen Destillierapparat dessen Produkte den eingesammelten
Reichsdeutschen die hoffnungslose Lage, wenn auch nur für kurze Momente, erleichterte.
Auch im diesem Kernpunkt widersprechen die Tatsachen der Erklärung von Dr.
Michitsch. Die Eingesammelten wurden auf jede Weise von der DAG unterstützt.
9. “Die
Gottscheer Umsiedler wurden bis heute für ihr zurückgelassenes bewegliches
und unbewegliches Vermögen nicht entschädigt.” [M.GZ.4/98]
Tatsache ist: Auch in diesem Punkte widersprechen die dokumentierten Tatsachen
der Behauptung des Vorsitzenden. Die Gottscheer Umsiedler wurden von der Bundesrepublik
West Deutschland durch das Reparationsschädengesetz - RepG, [31.7.1973], für
ihr unbewegliches Vermögen entschädigt.
Diese Einsammlungspolitik verlangte eine vollkommene Austilgung der Begriffe der Gottscheer als ethnische Volksgruppe nach Ansiedlung im Reich wie man es aus dem Folgenden entnehmen kann.
Die Ideologie der Einsammlungspolitik wurde von SS-Obersturm-bannführer Dr. Fähnrich, Leiter der Hauptabteilung I, in der RKFDV, [Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums], als “Menscheneinsatz” formuliert und ist in Frensing an Seite 145 im Paragraph 5 zu finden:
“Mit der
Hereinnahme einer Volksgruppe in das Reich hört die frühere Volksgruppenführung
auf zu bestehen, denn über der Volksgruppe steht das Reich.
“Die Begriffe der Balkandeutschen, des Wolhynien- und Bessarabiendeutschen
[Gottscheer]usw., müssen in vielmehr kürzester Frist ausgetilgt sein”
Frensing endet
seine Schlußbetrachtung an Seite 145 mit dem folgenden:
“Entscheidend für die Vernichtung der Existenz der Volksgruppen war die
kategorische Forderung nach “organischer Einfügung”, d. h., nach
Auflösung der bisherigen Volksgruppenorganisationen; ...die Ausmerzung der “Begriffe
der Baltendeutschen,.…in kürzester Frist.” [F.S.146]
“Daher war eigentlich der Untergang der Gottscheer als Volksgruppe bereits
besiegelt, bevor über sie die Katastrophe des Jahres 1945 hereinbrach, die auch
sie aus ihrer ‘neuen Heimat’ vertrieb.” [F.S.151]
Das beigelegte Schreiben [31.10.41] des Chefs des Staatshauptsamtes in Berlin,
SS-Gruppenführer Greifeld an SS-Sturmbannführer LaForce zeigt das Ende der
Gottscheer als Volksgruppe deutlich an:
“Nach Ansiedlung der Gottscheer in der Untersteiermark bitte ich darauf
zu achten, daß damit das bestehen der Volksgruppe als solche aufzuhören hat und
die Gottscheer sich bedingungslos in die Steiermark und damit in das Gesamtdeutschtum
einzufügen haben.”
Also die Tatsachen zeigen, die Gottscheer Leitung unter Lampeter war der Einsammlungspolitik
von Hitler nicht nur behilflich sondern machte diese Einsammlung möglich. Diese
Einsammlung, von dieser Leitung als "Heimführung" bezeichnet, war die Ursache
einer Ethnischen Reinigung von 37,000 Slowenen (um für die Gottscheer Platz
zu machen) und von welchen nur die Hälfte die folgenden vier Jahre als Zwangsarbeiter
im Reich überlebten. Diese "Heimführung", brachte uns, den vertrauensvollen
Gottscheern, die Heimatlosigkeit.
Die Tatsachen zeigen ferner, die Gottscheer Leitung unter Lampeter war in der
von Hitler angeordneten Einsammlung nicht nur behilflich, sondern wirkte, durch
Ermöglichung dieser Tat in der Auslöschung der Gottscheer als Ethnische Gruppe.
Das Obige leitet zu der folgenden Beobachtung und Abschluß:
Es ist offenbar
das Dr. Michitsch, Vorsitzender der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt
und Geschäftsleiter der Gottscheer Arbeitsgemeinschaft aller Landsmannschaften
der Welt, es versucht, eine kollektive Schuld für die Umsiedlung von den
Gottscheern abzuweisen.
Dieser Versuch wird scheitern solange er zu der wehrlosen Mehrheit der Gottscheer
auch den ehemaligen SS-Sturmbannführer und seine VGL zählt.
Mit der Verheimlichung der Taten von Lampeter und der VGL, Dr. Michitsch versucht
das Licht von den Ermöglichern abzulenken aber leider auf die Kosten des ganzen
Gottscheer Volkes. Solange sich diese Ermöglicher in den Reihen der Mehrheit
der Gottscheer befinden werden wir nicht von der Bezeichnung als Nazis befreit.
Die Tatsachen zeigen der durchschnittliche Gottscheer ist schuldlos am Verlust
seiner Heimat denn er war doch wehrlos gegenüber der leistungsfähigen Organisation
der Vorbereitungs-maschine von Lampeter.
Wie es Dr. Stier behauptet: “….ohne die, eine geordnete Aussiedlung
aus der Gottschee nicht hätte stattfinden können”.
Die Januar 1990 Ausgabe der GZ berichtet über die Kultur-arbeitstagung der
Gottscheer Landsmannschaften, die Mitte Oktober 1989 in München stattfand.
Die Zeitung gibt bekannt:
“Das Erscheinen von Prof. Dr. Wilhelm Lampeter am Sonntag vormittag [15.
Oktober, 1989] bereicherte die Tagung.” Er bedankte sich mit bewegten Worten
für die Einladung und herzliche Aufnahme, er hatte auch Gelegenheit, ehemalige
Weggefährten und Freunde nach über 40 Jahren wieder-zusehen.” [GZ 1.1989]
An dieser Tagung wurde Lampeter auch ein Festabzeichen übergeben.
Zu dieser “Einladung” kam die Mehrheit der Leitung der heutigen
Gottscheer Landsmannschaften in Deutschland und Österreich sowie auch der Vorsitzende
Dr. Viktor Michitsch. (Photo der Anwesenden wurde von der GZ veröffentlicht
[GZ, 1.1989] und ist beiliegend).
Anwesende Kameraden und ehemalige Mitarbeiter von Lampeter waren:
Richard Lackner, Stabsführer von Lampeter und
Ludwig Kren, Redaktionsmitarbeiter in der Gottscheer Zeitung unter Lampeters
Herrschaft.
Beide von diesen Herren waren, auch zu dieser Zeit schon Ehrenmitglieder und
Ehrenringträger in der Gottscheer Landsmann-schaft.
Die anderen Kameraden der Lampeter Leitung; Joseph Schober, Alfred Busbach,
Herbert Erker, Martin Sturm und Johann Schemitsch lebten damals nicht mehr.
Die “Einladung” kam kurz nach dem Fall der Ost-West Mauer. Der
Fall der Mauer machte es dem ehemaligen SS-Sturmbannführer möglich wieder in
die westlichen Leitungskreise der Gottscheer einzutreten.
Kurz danach wurde Lampeter als Mitglied in den Kreis der “Kulturreferenten” eingereiht.
[letzte Wiederwahl war Pfingsten 1997].
Die anderen dieses Kreises sind;
Richard Lackner, Stabsleiter unter Lampeter,
Ludwig Kren, Mitarbeiter in der Redaktion der GZ unter Lampeter,
Maria Lackner-Kundegraber [Gattin von Lackner].
Auch wurde Lampeter am 21. Dezember 1997 zum “Ehrenmitglied” der
Gottscheer Landsmannschaft ernannt. [GZ.2/98]
Ob die offenbare Meinungsänderung des Vorsitzenden dieser Wiederkehr zu verdanken
ist kann der Leser selbst entscheiden.
In den zehn Jahren seit der ‘Einladung’, wurde die politische Aktivität
der Gottscheer Arbeitsgemeinschaft in Klagenfurt auf ein erhöhtes Plateau einstellt.
Daher ist nicht überraschend daß die Methoden, die in diesen politischen Aktivitäten
benutzt werden, uns an einen nicht unbekannten Stil erinnern.
Das ist aus zwei Beispielen zu entnehmen:
1. Die Mühen der Arbeitsgemeinschaft, die deutsche wie österreichische Regierung
zu überzeugen das sie es versuchen den Eintritt von Slowenien in die EU Gemeinschaft
zu verhindern bis:
a. die Gottscheer Umsiedler in das Slowenische Reparationsgesetz eingenommen
und dadurch für ihren Verlust entschädigt werden.
b. die Gottscheer Altsiedler Gruppe [Nachfolger deren die sich der Umsiedlung
in 1941 widersetzten, weniger als 100 Personen] von Slowenien als Minderheit
erklärt wird.
Das diese Bedingungstaktik in beiden Fallen bisher keinen Erfolg brachte ist
nicht überraschend. Die damals erlernten Methoden werden heutzutage nicht mehr
toleriert.
Die Forderung in (1a) ist sinnlos da wir Gottscheer Umsiedler schon durch das
Reparationsschädengesetz - RepG, entschädigt wurden. Es ist doch nicht Slowenien
das uns in 1941 zwang unsere Gottscheer Heimat zu verlassen.
Die Forderung in (1b) ist auch sinnlos wie es Helmut Schäfer, Staatsminister
in Bonn in seinem Schreiben von 30. Juni, 1995 an die Gottscheer Landsmannschaft
andeutet:
“Slowenien ist heute ein demokratischer, nach Europa orientierter Staat.
Deshalb sollten die von Ihnen erwähnten Gottscheer Vereine auch ohne Minderheitenstatus
in der Lage sein, in Slowenien ihre Traditionen und ihr Brauchtum zu pflegen.”
In Österreich, diese Forderungsversuche der Landsmannschaft gelangten, durch
Eingriff der extrem rechten Freiheitspartei von Jörg Haider, bis in das Parlament
wo sie als Bedingungstaktik erkannt wurden.
Es ist daher offenbar das die Forderung auf Minderheitstatus mit den größeren
Zielen der Freiheitspartei verknüpft ist.
Die Gottscheer
Jugend der ersten dreißiger Jahre befand sich zwecks der weltweiten wirtschaftlichen
Depression, die auch in Gottschee wirkte, und der Assimilierungspolitik der
Slowenen nach ersten Weltkrieg, in einer hoffnungslosen Lage.
Anderseits sah sie mit Begeisterung die Fortschritte im Dritten Reich die den
dortigen Deutschen wieder Wohlstand und Hoffnung brachten. [Waren doch diese
Fortschritte und Erfolge des neuen Deutschlands, bis zum Ausbruch des zweiten
Weltkrieges Krieges, die Bewunderung der Welt!]
So ist es kein Wunder das die “geheime [Gottscheer] Schüler-schaftgruppe” [F.S.15]
sich in den Nationalsozialismus verliebte. Sagt Wilhelm Lampeter:
“Im Nationalsozialismus, der erst mit der Machtübernahme 1933 in die entlegene
Gottschee fand, wurde von den Jungen als ihr eigentliches Lebensziel erkannt,
der bestimmte Wegweiser ihres Strebens und Tatenwillens erschaut.” (F.
S:15).
Sagt Frensing:
“Als sich 1934 die ‘Deutsche Studentenschaft’ einschaltete,
.. geriet diese jugendliche [Gottscheer] Gruppe in den ideologischen Bannkreis
des NZ .. .und begann nun konsequent in [dessen] Fahrwasser zu segeln; denn die ‘Deutsche
Studentenschaft’ verstand es sehr geschickt, neben der Propagierung des ‘Selbsthilfegedankens’, ‘groß-deutsches’ Gedankengut
zu vermitteln’. . [F.S:15,16].
Unter dem Motto ‘Selbsthilfe’ gelang es dem Nationalsozialismus
in den nächsten Jahren die gesamte Gottscheer Jugend in ihren ideologischen
Kreis zu sammeln.
Nach Hermann Ullmann;
“Die Methoden der nationalsozialistischen Propaganda befolgten das selbe
Rezept wie bei der Machtergreifung im Reiche: man schlich sich ein. Zuerst arbeitete
man mit einem ideologischen Programm daß man der Haltung der Volksgruppen äußerlich
anpaßte…” [F.S:16]:
Die Entwicklung der “Schülergruppe” und deren Schulung als künftige
Leiter der Volksgruppe, entfaltet sich in den nächsten Jahren unter wachsamen
Schutze und kräftiger Leitung von Berlin.
Die Unterweisung der Jugend und den fähigen Jungbauern, die späteren Sturmführer
und Stürmer der “Mannschaft” gelang durch Schulung im Reich und
wurde von Lampeter in Gottscheer Sonderschulen vollendet.
Diese und andere Taten brachten die Gottscheer in Konflikt mit den Slowenen
und es kam zu “wüsten Schlägereien”. [F.S 17]
“Gottschee wurde von jugendlichen Wanderern überschwemmt.. von meist militärisch
gekleideten Jungen die ständig politische Kampflieder singen und mit ihren [Hakenkreuz]
Fahnen durch die Dörfer ziehen... muß natürlich in slowenischen Kreisen Haß hervor
rufen. [F.S.17]
“Die Slowenen schritten zu repressiven Maßnahmen deren Gefolge dann auch
die Ortsgruppen des Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes aufgelöst wurden….weil
politische Vorträge gehalten wurden… ”
“Die Organisationen des Kulturbundes wurden verfolgt, weil sie als Nationalsozialistische
Agitationszellen erkannt worden seien. Die beiden Emissäre.. [Dieck und Neunteufel]..
hatten viele Monate hindurch eine Tätigkeit entfaltet die kein selbstbewußter
Staat auf die Dauer hatte hinnehmen können”. [F.S.18]
Die ‘alte Führung’ versuchte in letzten, verzweifelten Versuchen
einen Kompromiß herbeizuführen und die hochgepeitschten nationalen Leidenschaften
der Slowenen und Volksdeutschen abzukühlen.
Diese Mühen enden, Ende 1938, wenn es den “Erneuerern” gelang die “alte
Führung” abzuschieben und die Leitung der Volksgruppe an sich zu reißen.
“Mit ‘tatkräftiger Unterstützung der Volksdeutschen Mittelstelle’ [in
Berlin], hatten die ‘Erneuerer’ ihre Herrschaft angetreten. Wichtig
war auch, daß die Redaktion der Gottscheer Zeitung von der Geistlichkeit auf
die ‘Erneurer’ überging”. [F.S.20,21]
Die Schriftleitung der Gottscheer Zeitung übernahm Herbert Erker, einer der
engen Mitarbeiter von Lampeter, der auch später wieder für die Schriftleitung
der [Klagenfurter] Gottscheer Zeitung verantwortlich gemacht wurde. [1962-71].
Auch sein Nachfolger [1971-96], Ludwig Kren war schon in der damaligen Redaktion
tätig.
Im Herbst 1939 wurden die Ortsgruppen des Kulturbundes in Slowenien wieder
erlaubt [durch Einfluß von Stojadinovic, dem Fa-schismus freundlichen Premierminister
Jugoslawiens] was der neuen Herrschaft die Gründung der “Mannschaft” als
eine neue Formation der Gottscheer erleichterte.
Zudem zitiert Frensing Richard Lackner, [Stabsführer von Lampeter und Amtsleiter
der Gottscheer Jugend (unter 21)] der diese Gründung beschreibt:
“Sie wurde in Stürme aufgegliedert,… die Stürme in Zuge unterteilt.
Der Sturmführer war nominell dem Ortsgruppenführer [des Kulturbundes] unterstellt.
Die Führung der Mannschaft bestand aus einem Stab mit dem Mannschaftsführer
als Haupt… Das Mannschaftsgericht befaßte sich mit Streitfallen unter
den Mitgliedern der Mannschaft.
Allmählich wurde eine Art Uniform eingeführt (Stiefel, Reithose, graues Hemd).
Die Heimabende waren obligatorischer Dienst, Grundexerzieren gehörte zur ‘Ausbildung.” [F.S..22]
Nach Zerfall Jugoslawiens, auf Befehl durch Stabsführer Lackner in der GZ (24/7/41):
“Jeder Gottscheer Mann vom 21. bis zum 50. Lebensjahre ist verpflichtet,
in der Mannschaft Dienst zu tun. Nur über ärztlichen Befund kann er vom Stab
der Mannschaft des Mannschaftsdienstes enthoben werden.
… Jedem einzelnen Kameraden, angefangen vom Mannschaftsführer bis zum letzten
Sturmmann, sind drei Vorbilder aufgestellt. Der Soldat,…der Kamerad in
der SA- oder SS- Formation ..und der Arbeiter als Ausdruck der sozialen Gerechtigkeit
eines Volkes.” [F.S.68]
Die Neue Herrschaft war nun in der Lage jeden Befehl des Reiches zur Einsammlung
der Gottscheer auszuführen.
Frensing berichtet über die Vorbereitungsarbeit der Volks-gruppenführung um
die Bevölkerung zur Annahme der Umsiedlungsoption zu bringen in den folgenden
Kapiteln seines Buches:
Vorbereitungen der Volksgruppenführung für die Umsiedlung : (Seite 62)
1. Die ersten
grundlegenden Maßnahmen
2. Die Schulung der Mannschaft
3. Die Bekämpfung der “Gerüchte” und die Umdeutung des bisherigen
Heimatbegriffs.
Die Opposition der Volksgruppe: (Seite 78)
1. Die Opposition
aus den Reihen der Geistlichkeit
2. Die Opposition von seiten der Bürger
3. Die Opposition der Bauern aus dem “Hinterlande”
Für seiner Mühen
in der Vorbereitung, Lampeter wurde Oktober 1941 von Himmler zum SS-Sturmbannführer
in der politischen Abteilung der SS Organisation befördert.
Diese Mühen waren die Folgenden:
1. die Forderung und Verbreitung einer kompromißlosen Feind-lichkeit gegenüber
den Slowenen,
2. der Abschub der legitimen “alten Leitung”,
3. Auf- und Ausbildung einer Organisation, u.a., Leitung, Mann-schaft, Presse,
usw., die der Hitleraufgabe und dem Endziel wirkte,
4. des Hasses gegenüber der Geistlichkeit und all denen die der Ausführung
der Aufgabe gegenüberstanden,
5. Umdeutung des bisherigen Heimatbegriffs - Von Liebe zur Heimat auf Liebe
zum Führer,
6. Verheimlichung des Ansiedlungsgebietes und seinem Zustande,
7. dem psychologischem Druck, Drohungen und Gewalt auf seine Landsleute der
Option folge zu leisten,
8. der “Überrumpelung” seines Volkes, (usw.),
Der Glanz der Erhöhung dauerte aber nur kurze Monate.
Als Anfang Januar 1942 zirka 100 Gottscheer Städter drohten ihre Optionserklärung
zurückzuziehen, mußte sich das Reichskommissariat einschalten da es annahm
die VGF war nicht fähig den Aufstand zu überwinden.
(Die Ursache des Aufstandes waren rückkehrende Berichte von den dort schon
ankommenden Ansiedlern über schlechte Verhältnisse im Ansiedlungsort). Lampeter
wurde als Sündenbock für den Aufruhr entdeckt. Nach Bericht von SS-Oberführer
Hinze:
…. “ich habe den Eindruck… daß dieser [Lampeter] für die ihm übertragenden
Aufgaben sowie seine Ernennung zum SS-Sturmbannführer zu jung und unerfahren
ist … und daß es ihm auch an der für ein solches Amt erforderlichen Einsicht
und Selbstdisziplin fehlt.
… Ich habe ihm daher … eröffnet, das ich nunmehr selbst an seiner
Stelle die Führung der Gottscheer Wehrmannschaft übernehme und ihn bitten müsse
.. sich auf Weiteres jeder Tätigkeit im Ansiedlungsgebiet .. zu enthalten… und
daß ich diese Maßnahmen auch auf seinen Stabsführer [Richard Lackner] ausdehnen
müsse,…und bitte deshalb, ihn [Lampeter] ohne Rücksicht … unverzüglich
ins Altreich abzuberufen.” [F.S.135]
SS-Führer Bliss war nicht so großzügig:
“Lampeter ist durch verschiedene Ehrungen, die ihm für seine bisher geleistete
Volksgruppenarbeit zuteil wurden, größen-wahnsinnig geworden und politisch für
deutsche Verhältnisse absolut unbrauchbar.
… ich schäme mich, ein derartiges politisches Kind in der Uniform der SS
und in dem Rang eines Sturmbannführer sehen zu müssen.” [F.S.129]
Die SS Leitung gab damit bekannt das Gottscheer, die zum Betrug und Verrat
ihres eigenen Volkes fähig waren, auch in ihrer Organisation für weitere Zwecke “absolut
unbrauchbar” sind.
Damit wurden Lampeter und Lackner, die ersten Opfer der Hitler Einsammlungspolitik.
Deren Auftrag war am Ende und Abschub war die nächste Stufe die im Paragraph
5 des Menscheneinsatzes angefordert wurde.
Die Volksgruppe hatte für Umsiedlung optiert und die Ein-sammlung war gesichert.
Vorerst als Opfer dieser Politik war doch das Gottscheer Volk. Dieses stolze
Volk wurde zum Verlust der Heimat von eigenen Leitern durch Betrug und Verrat
seinem Ende überliefert.
Nach Frensing auf Seite 75:
“Charakteristisch für das Bestreben der VGL, den Heimatbegriff den Gottscheern neu zu interpretieren und ihn Ihren Intentionen entsprechend umzudeuten, ist das “neue Lied der Gottscheer”, das vom verantwortlichen Stabsführer für das Kulturwesen verfaßt wurde:
Vom Rinsenquell
zum Kulpastrand
Hebt in den Wind die Fahnen,
Wir kehren heim ins Vaterland,
Die Heimat unserer Ahnen.
Wir bleiben deutsch
trotz Haß und Not
Trotz bittrer Knechtschaft Schande.
Es trieb das Osteraufgebot
Die Serben aus dem Lande.
Im Gleichschrittmarsch,
der Trommel Schlag
Gibt Schritt uns beim Marschieren.
Wir rufen in den jungen Tag
‘Ein Volk, ein Reich, ein Führer’. ”
Das Ende der Gottscheer als Ethnische Gruppe;
Die Dokumentierten Tatsachen.
Univ. Prof., Dipl. Ing. J. Tschinkel
New York, März, 1999