Richard Lackner - Behauptungen und Lügen von John Tschinkel und Alenka Auersperger, Graz 2005.


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Die Gottscheer Zeitung Folge 1, Jänner 2005, brachte auf der Seite 13 den Artikel "Notwendige Erklärungen für unsere Landsleute". Es handelt sich um Hinweise und Stellungnahmen zu schriftlichen Aktivitäten des Halbgottscheers John Tschinkel, USA, mit denen er versucht, die jüngeren Funktionäre der letzten Gottscheer Volksgruppenführung (1939-1942), vor allem Wilhelm Lampeter und mich, Richard Lackner, als "Verräter am Gottscheer Volk" abzustempeln, wegen ihres Einsatzes für die Umsiedlung der Volksgruppe 1941/42. Er scheut sich nicht, lügnerische Behauptungen mit seinen Schreiben zu verbreiten, indem er sie an Gottscheer, an österreichische und slowenische Persönlichkeiten, an Regierungsstellen, das vermutlich auch in den USA, verschickt. In jüngster Zeit bedient er sich für seine Verleumdungen auch des Internets. Da er anscheinend bei unseren Landsleuten keine oder kaum eine Zustimmung erhält, erdreistet er sich zur Behauptung, daß unsere Vereine in Österreich, Deutschland und Übersee, besonders auch der Verein der Gottscheer Altsiedler in Slowenien, alle verbunden in der Arbeitsgemeinschaft in Klagenfurt, die "ätzende Politik" des Vorsitzenden Viktor Michitsch mit seinen "Ehrenmitgliedern", darunter ehemalige SS-Männer und fanatische Nazis, gegenüber Slowenien betreiben. Diese Behauptung ist in seinem "Offenen Brief" vom 26.04.2005 an die Gottscheer Zeitung enthalten. Das Begleitschreiben vom 15. Mai 2005 an Dr. Michitsch lautet:


  "Lieber Viktor Michitsch,  
Beigelegt ist ein Offener Brief an die Gottscheer Zeitung. Da aber diese Zeitung, unter ihrer Leitung, Zensur übt und wie in jeder Diktatur sich vor abweichender Meinung fürchtet und sie unterdrückt, wird dieser Brief anderswo und auf verschiedene Weise, auf das weiteste verbreitet.
  Mit freundlichen Grüßen John Tschinkel."


Ich habe auch eine Kopie erhalten, dazu eine englische Fassung des Schriftstückes "Richard Lackner POW" [Kriegsgefangener], datiert 8. Dezember 2003. Der Schreiberling bezieht sich auf meinen Bericht "Direkt aus Amerika, Gottscheer Begegnungen in der Kriegsgefangenschaft" in der Gottscheer Zeitung August 2003. Er verbeißt sich in meine kurze Erwähnung "Auf dem Rückzug in die sogenannte 'Alpenfestung'" und behauptet, daß den Rückzug in die "Alpenfestung" als "letzten Stand des Reiches die am meisten loyalen Mitglieder SS geschützt haben."

Ich war nicht Mitglied der Parteiformation SS, sondern rangloser Soldat der Waffen-SS, warum, das werde ich noch ausführlicher berichten. Über eine "Alpenfestung" wurde im April 1945 allgemein geredet. Damals war ich nach acht Monaten Lazarett-Aufenthalt in Graz - Verwundung der rechten Hüfte im Juni 1944 - in einer Versehrten-Kompanie in Ellwangen/ Württemberg. Von dort wurden wir, ein zusammengewürfeltes Häuflein, in Richtung Bayern abgeschoben. Daß ich am 3. Mai 1945 bei Lenggries/Obb. durch den Hals geschossen wurde -aus heutiger Sicht mein zweiter Geburtstag, interessiert den Herrn Giftmischer John nicht.

Im 3. Absatz des Schriftstückes "entdeckt" Tschinkel, daß ich ein Mitglied der allgemeinen SS sein mußte, weil der slowenische Historiker Dr. Tone Ferenc in seiner Arbeit "Die Nazipolitik der Denationalisierung in Slowenien 1941-1945" feststellte, daß Lampeter 1941 Himmler empfahl, "18 Mitglieder seiner Staffel in die SS aufzunehmen". Ich habe nie etwas von dieser "Empfehlung" gehört oder gelesen. Und er kombiniert ob der Feststellung von Ferenc: "Zu dieser Zeit war Lackner 22 Jahre alt und fanatisch und in jeder Weise geeignet für die Nazi-Elite, beurteilt durch das Nürnberger Tribunal als ein 'kriminelle Organisation'. So gesehen also geeignet als 'Ehrenmitglied' und 'kultureller Berater' in der heutigen Zeit der Gottscheer Organisationen??"

Im 4. Absatz faselt er, ich wäre "ein Teil der Vomi (Volksdeutsche Mittelstelle im Reich)" gewesen, "ernannt als Gottscheer Führung (Diktatur), die 1941 Gottscheer zwangen, die Umsiedlungsoption auf sich zu nehmen." Niemand konnte gezwungen werden!

Eine bodenlose Lüge ist die Behauptung im 5. Absatz: "Die Gottscheer Mannschaft war ein hochdiszipliniertes Militär innerhalb der Linien von SS und SA im Reich, wo Lampeter und viele seiner Staffel, einschließlich Lackner, in den späten Dreißigern trainiert wurden." Das ergänzt er: " All dies ist in großen Details von Dr. Hans Hermann Frensing in seinem Buch 'Die Umsiedlung der Gottscheer Deutschen' angeführt, zur Gänze wiedergegeben in der Webseite." Frensing zitiert auf der Seite 114 die Beurteilung der jungen Volksgruppenführung seitens der EWZ, von der die "Schleusung" der Umsiedler vorgenommen wurde, volkspolitisch: "Sie ist von jugendlichem Idealismus und fanatischem Glauben an die deutsche Sendung getragen.... Die jungen Führer waren aus eigenem Antrieb im Reich gewesen, um dort in Schulungslagern Schulter an Schulter mit reichsdeutschen Kameraden den Geist der neuen Zeit auf sich zu nehmen."

Über die "Schulungslager" berichte ich aus eigener Erfahrung in der Zeit meines Aufenthaltes in Deutschland vom Herbst 1938 bis Juni 1939.

1937 habe ich die Matura am slowenischen Realgymnasium in Gottschee bestanden. Schon als 15jähriger Gymnasiast habe ich gerne gezeichnet und gemalt. In der Folge wurde ich vom Zeichenlehrer gefördert und besonders unterwiesen. Ich wollte Kunstmaler werden, darum an einer renommierten deutschen Akademie, z. B. München, studieren. Im Sommer 1938 suchte ich um einen Reisepaß an, er wurde mir von einem Kommissar der Bezirkshauptmannschaft verweigert, mit der Bemerkung, in Zagreb gebe es auch eine Kunsthochschule. Ende September 1938 gelang es mir, nördlich von Marburg schwarz über die Grenze zu gehen, gemeinsam mit dem Zimmermann Josef Jurkowitsch aus Durnbach, der für das Hausieren in Deutschland auch keinen Paß bekommen hatte. Mein vorläufiges Ziel war Stuttgart, weil ich Wilhelm Lampeter aufsuchen wollte, der seit 1936 an der Landwirtschafts-Hochschule in Hohenheim / Stuttgart studierte. Ursprünglich hatte er die Absicht Arzt zu werden, entschloß sich jedoch für die landwirtschaftliche Hochschule, um beim Neuaufbau der Gottscheer Wirtschaft leitend mitzuwirken.

Ich konnte mit dem Wintersemester 1938/39 das Studium an der Kunstakademie Stuttgart beginnen. Vom VDA (Volksbund für das Deutschtum im Ausland), der lange vor der Entstehung des Nationalsozialismus gegründet wurde, erhielt ich ein Stipendium von RM 100.- monatlich. Vom VDA wurde auch die Arbeitsstelle Gottschee geschaffen, für die Betreuung der Gottscheer Hausierer. Die Hausieraktion wurde zur Finanzierung konkreter Aufbaumaßnahmen im Ländchen eingeführt. Der VDA vermittelte auch die Ausbildungshöfe für die Jungbauern aus Gottschee. zumeist auf der Schwäbischen Alb, deren Bodenbeschaffenheit jener im Gottscheerland verwandt ist. Und für diese Jungbauern wurde an der Landwirtschaftsschule Ulm in den Wintermonaten speziell ein Sonderunterricht mit den Fachlehrern eingeführt.

Lampeter beendete sein Studium im erwähnten Wintersemester 1938/39 als Diplomlandwirt. Da im Frühjahr 1939 die Heimkehr der meisten Jungbauern bevorstand, organisierte er für diese und einige Fachkräfte (Süßmosterei, Gerberei) mit Förderung des VDA zwei Wochenkurse, einen in der Jugendherberge in Schwäbisch Hall, den zweiten in jener in Friedrichshafen. Ich habe an beiden teilgenommen. Alle Themen handelten um den genossenschaftlichen Neuaufbau der Land- und Forstwirtschaft in unserer Sprachinsel, um deren Bestehen im Königreich Jugoslawien zu sichern. Lampeter hielt die grundsätzlichen Fachreferate, Richard Lipowitz behandelte speziell die Forstwirtschaft, Volker Dick, Doktor der Volkswirtschaft, erläuterte das Genossenschaftswesen, die Absatzmöglichkeiten für Molkereiprodukte, z. B. in Dalmatien. Dipl.Kfm. Horst Rave, Geschäftsführer der Arbeitsstelle Gottschee beim VDA in Berlin, referierte über die Verkaufsmöglichkeit von Erzeugnissen der gottscheer Heimindustrie (Stickerei, Weberei, Schnitzerei) in Deutschland. Beide, Dick und Rave, waren nicht Mitglieder der NSDAP!

Ich habe damals die Hauptvorhaben des Aufbauprogrammes erfahren. Mitgewirkt habe ich hauptsächlich mit einer täglichen Singstunde, in der ich einige alte, vergessene und neue gottscheer Lieder einüben konnte.

Zu diesen Kursen erwähne ich, daß kein Parteifunktionär mitgewirkt hat oder auch nur einen Besuch abgestattet hätte.

Weitere Begebenheiten privater Natur in meiner kurzen Studienzeit in Stuttgart habe ich in einer autobiographischen Schrift festgehalten, auch meine Teilnahme am Reichs-Berufswettkampf in einer Gruppe von Architekturstudenten und der Akademie. Die Aufgabe war die Errichtung eines Kinderheimes auf der Alb. Ich habe mit dem Entwurf eines bemalten Kachelofens im Spielzimmer zur Innengestaltung beigetragen. Als Form des Ofens hatte ich die im Gottscheerland übliche mit der Ofenbank gewählt, die Bemalung entwarf ich. Unsere Gruppe wurde Reichssieger.

Mein Akademiestudium endete mit dem ersten Semester. Kurz davor besuchte mich der Freund von Volker Dick, der Maler Peter Dummer. Als Student der Kunstakademie Berlin hatte er in zwei Sommerferien (1936 und 1937) junge Gottscheer im Walden das Weben und Schnitzen gelehrt. Er teilte mir mit, daß ich im Aufbauprogramm Gottschee als künstlerischer Leiter der Heimindustrie vorgesehen sei. Dafür sollte ich Techniken der Volkskunst erlernen (Weben, Sticken, Schnitzen, Flechten), das Akademiestudium allein genüge nicht. Er schlug mir als nächstes die Holzschnitzschule in Bad Warmbrunn in Schlesien vor. Der Entschluß dazu ist mir nicht leicht gefallen. Damals porträtierte ich in Öl Landsmann Kurt Bartelme. Mein Professor beobachtete interessiert mein Malen, als ich fast fertig war fragte er, ob ich nicht doch an der Akademie bleiben wolle. Ich verneinte.

Vor meinem Umzug nach Bad Warmbrunn, wo ich von Peter Dummer an der Holzschnitzschule angemeldet wurde, verbrachte ich zwei Wochen in Starnberg am See. Im Gustaf Britsch-Institut für vergleichende Kunstbetrachtung, geleitet von Prof. Egon Kornmann, befaßte ich mich theoretisch und praktisch mit Techniken und vor allem Formelementen der Volkskunst. Bei Kornmann hatte ich schon früher, in einem Kurs für werdende Kunsterzieher über Grundqualitäten in der Bildenden Kunst, wertvolle Kenntnisse erworben. Mein zweiter Aufenthalt in Starnberg war in der zweiten Hälfte des April 1939; in München wurde Hitlers Geburtstag groß gefeiert. Ich fuhr nach München, habe, eingepfercht in einer Menschenmenge, den endlosen Vorbeimarsch der Wehrmacht und Verbände an Hitler und vielen Uniformierten beim Haus der deutschen Kunst - heute Haus der Kunst - gesehen. Ich war selbstverständlich beeindruckt, fühlte mich jedoch irgendwie fremd in der Menge.

In Bad Warmbrunn, dem Kurort am Fuße des Riesengebirges, Wohnort des Dichters Gerhart Hauptmann, wurde ich an der Schule freundlich empfangen. Mit meinem Lehrer, Bildhauer, und dem Zeichenlehrer des Gymnasiums ergab sich bald ein freundschaftliches Verhältnis, ein Interesse ihrerseits am Gottscheer. Leider konnte ich nur einen Monat bleiben. Meine Eltern erkrankten. Meine Schwester schrieb mir davon, meinte aber, ich müßte deswegen nicht kommen. Einige Tage danach erschien Horst Rave; er war in Gottschee gewesen und riet mir energisch, nach Hause zu fahren, denn die Schwester könne den Betrieb nicht allein führen. Mein Bedenken wegen des Grenzgangs ohne Paß konnte er zerstreuen, weil ich zum zwanzigsten Jahrestag der Vereinigung des Königreiches SHS 1918 unter die Amnestie gefallen sei. Und er riet mir, beim jugoslawischen Konsulat in Berlin ein Papier für die Heimreise zu besorgen, was mir dann mit einigen Schwierigkeiten möglich wurde. Es galt für die einmalige Einreise nach Jugoslawien. An einem Sonntagabend im Juni 1939 kam ich nach Hause - meine Mutter erkannte mich nicht gleich.

Erwähnenswert ist eine Begebenheit am nächsten Tag. Mit unserem Lastauto habe ich zwei Lieferungen Dachziegel durchgeführt. Gefahren bin ich mit dem Gelegenheitschauffeur Martin - seinen Familiennamen weiß ich nicht mehr. Er wohnte in der Stadt hinter der Bäckerei Hiris. Bei der zweiten Heimfahrt durch die Stadt ließ ich ihn aussteigen. Nach der Franziskus-Kapelle sah ich von weitem zwei Gendarmen vor unserem Gasthaus. Ich fuhr das Auto in die Garage, dann begrüßte ich sie, lud sie in die Gaststube ein und servierte ihnen einen halben Liter Wein. Sie wollten wissen, was ich in Deutschland gemacht habe, bestätigten die Amnestie. Ich schilderte in Stichworten mein Studium da und dort im Reich. Sie tranken aus und gingen. Einige Tage danach erhielt ich eine Vorladung zur Bezirkshauptmannschaft, äußerte dort zu einem Kommissar, daß doch die Gendarmen wegen meines Deutschlandaufenthalts bei mir gewesen seien. Er schmunzelte und sagte: "Gegen Sie liegt eine Anzeige vor, daß Sie ohne Führerschein Auto gefahren haben ..." Ich erhielt eine Geldstrafe von einigen hundert Dinar. Damals hat ein Liter Wein vierzehn Dinar gekostet. Im September, nach meinem zwanzigsten Geburtstag, habe ich in Laibach die Fahrprüfung gemacht.

Nach einigen Wochen kam auch Wilhelm Lampeter heim nach Gottschee. Zuvor hatte er in Berlin noch eine Kfz-Fahrschule besucht und den Führerschein für alle Klassen erstanden. Er wurde als Diplomlandwirt Mitglied der 1937 (?) gegründeten Landwirtschaftlichen Genossenschaft und der Kreisleitung des im Frühjahr 1939 wieder gegründeten Schwäbisch-Deutschen Kulturbundes, zu dessen Kreisobmann der Prokurist Josef Schober gewählt wurde. Mit Martin Sturm, Absolvent der Landwirtschaftsschule Ludwigsburg in Württemberg, offizieller Berater der Genossenschaft, verfaßte er die Informationsschrift "Die Wirtschaftsfragen der Gottscheer Bauern". Es herrschte eine Aufbruchsstimmung im Lande: Stallungen wurden modernisiert, Zuchtrinder angeschafft, die Koppelweide bei Hohenegg angelegt, u. s. w. Sehr erfolgreich entwickelte sich die geförderte Heimindustrie (Sticken, Handweben, Drechseln und Schnitzen).

Im ganzen Ländchen entstanden Ortsgruppen des Kulturbundes (SDKB), die Jugend freute sich über die Heimabende und Sommerfeste. Um die der Jugend entwachsenen männlichen Kräfte für den Aufbau zu erfassen, wurde die "Mannschaft" als eine Gemeinschaft des SDKB eingeführt. Als Mannschaftsführer wurde von Josef Schober Wilhelm Lampeter ernannt, gleichzeitig ein Gremium als Mannschaftsführung gebildet. Diesem haben angehört: Martin Sturm, der wirtschaftlich sehr erfahrene Bürgermeister von Mösel Johann Schemitsch, der Bauer Johann Samida von Pogorelz in der Moschnitze, Altbürgermeister von Pöllandl, und ich wurde nach meiner Heimkehr in die Kreisleitung als Jugendführer berufen. Später kam Forstingenieur Alfred Busbach dazu, Angestellter in der Forstverwaltung des Fürsten Auersperg. Da Lampeter im Herbst seinen Militärdienst antreten mußte, wurde ich gemeinsam mit Martin Sturm mit seiner Stellvertretung betraut.

Die Ereignisse in Polen, die Verfolgung der Deutschen dort, von der reichsdeutschen Propaganda als "Bromberger Blutsonntag" vermutlich überbetont - wir glaubten es - veranlaßte die Überlegung, die Mannschaft straff zu organisieren, für einen eventuellen Schutz unserer Volksgruppe. Ein konkreter Anlaß war das Geschehen bei der Hochzeit von Martin Sturm im August. Seine Hochzeit mit Käthe Ott, einem Mädchen aus Ulm a.d. Donau, Deutschland, wurde in Mitterdorf gefeiert, in einem größeren Freundeskreis im Gasthof Andersch - Petsche.

Am Spätnachmittag erschien im Dorf ein Lastauto, besetzt mit slowenischen Männern. Das wurde rechtzeitig bemerkt, man stellte sich auf eine Belästigung, auf einen Überfall ein. Zwei Männer kamen durch die Hintertür ins Haus - die vordere war wegen der großen Gesellschaft geschlossen - und verlangten, mitfeiern zu dürfen. Nach einer Bewirtung mit Wein wurden sie entschieden abgewiesen, mit der eindeutigen Begründung, man sei eine geschlossene Gesellschaft geladener Gäste. Dann zogen alle weiblichen Gäste mit der Braut in den ersten Stock, wir Männer verteilten uns im Garten hinter dem Gasthof, um einen Überfall abzuwehren. Gegen Mitternacht gab es vor dem Gasthof einen heftigen Knall, bald danach entfernte sich der Lastwagen. Dem Geräusch nach fuhr er in die Richtung Ribnica - Reifnitz. Von Feiern war keine Rede mehr. Die Braut verbrachte die Hochzeitsnacht im ersten Stock im Kreise der Frauen. Martin verbrachte sie bis zum Morgen weiter auf "Wache" mit den männlichen Teilnehmern.

Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen und die folgenden Kriegserklärungen Frankreichs und Englands ließen die Besorgnis aufkommen, daß dadurch der wirtschaftliche Aufbau erschwert, auf unbestimmte Zeit verzögert werde. Kontakte zu irgendwelchen politischen oder gar militärischen Stellen in Deutschland hatten wir nicht. lediglich begrenzte zum deutschen Konsulat in Ljubljana - Laibach.

Von einer Bewaffnung der Mannschaft war nie die Rede, allerdings die Überlegung, daß man sich im Falle gewaltsamer Bedrohungen seitens radikaler Gruppierungen mit den vorhandenen erlaubten Jagdwaffen wehren könnte. Aber diese mußten Ende 1940 (oder anfangs 1941?), als viele Reservisten zu Manövern eingezogen wurden, bei den Gendarmerien abgegeben werden.

Die Siege Deutschlands stimmten uns zuversichtlich, auch die sehr guten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Jugoslawiens zum Dreimächtepakt Ende März 1941. Doch zwei Tage danach beendete der Putsch in Belgrad dieses Verhältnis, die Parole "bolje rat nego pakt" ["besser Krieg als Pakt"] erschreckte uns. Und der Abschluß des Freundschaftspaktes der neuen jugoslawischen Militärregierung mit der Sowjetunion konnte nur eine militärische Aktion Deutschlands und Italiens bewirken. Josef Schober bemühte sich vom deutschen Konsul in Laibach irgendwas zu erfahren. Es wurde ihm empfohlen, daß von Familien, die Verwandte in der "Ostmark" (Österreich) haben, die Frauen mit Kleinkindern zu diesen Verwandten fahren sollten.

Die Ereignisse und unser Verhalten in der Zeit vom Putsch in Belgrad bis zum Balkanfeldzug der Achsenmächte am 6. April und danach bis zur Bestätigung des bestehenden Planes unserer Umsiedlung durch Hitler am 26. April 1941 in Marburg habe ich in meiner Biographie ausführlich beschrieben. Daher beschränke ich mich hier auf eine Stellungnahme zu einigen wesentlichen Ereignissen, die von John Tschinkel, von Historikern und Journalisten falsch beurteilt und behauptet werden. Von solchen erwähne ich die slowenische Journalistin Alenka Auersperger, deren Buch "Iskalci Grala" 2004 im Verlag Mondrian, Ljubljana, erschienen ist; Untertitel: "Poskus o¾ivljenje nem¹ke manj¹ine v Sloveniji" - "Sucher des Grals - Versuch der Wiederbelebung der deutschen Minderheit in Slowenien". Auersperger verzeichnet auf den Seiten 80/81 aus ihrer Sicht Ereignisse vom 27. März bis zum 26. April 1941 in einer datierten Reihenfolge. Zu einigen will und kann ich Stellung nehmen, auch Fragen stellen.

27. März: "In Gottschee waren Demonstrationen gegen den Beitritt Jugoslawiens zum Dreimächtepakt. Drei Tage später folgte die erste Mobilisierung zur jugoslawischen Armee." - Wer hat demonstriert?

1. April: "Gottscheer Deutsche haben Telefonleitungen durchgeschnitten und die Straßen gegen Rieg und Fora umgegraben. Die jugoslawischen Behörden haben deswegen elf gottscheer Deutsche eingesperrt."

Ich erinnere mich, daß an irgendwelchen Tagen um Ostern Telefonverbindungen unterbrochen waren, man von der Kreisführung des SDKB nur über Leitungen des Forstamtes Auersperg Verbindung zu Außenstellen hatte. Ich hörte auch von eingesperrten Jugendlichen im Bezirksgefängnis im Schloß, angeblich wegen Waffenbesitzes. Schon am 28. März, am Tag des Putsches, wurde Martin Sturm verhaftet. Warum?

6. April: "Die jugoslawischen Behörden haben beim Angriff auf Jugoslawien ungefähr zwanzig gottscheer Deutsche arretiert, unter ihnen einige führende: Richard Lackner und Dr. Hans Arko. Man führte sie nach Metlika und entließ sie am 9. April."

Der 6. April war der Palmsonntag. In den Morgennachrichten des Radios hörte ich die Meldungen vom Einmarsch der deutschen Truppen in Jugoslawien und der Bombardierung Belgrads. Ich frühstückte kurz und begab mich dann zu Dr. Josef Krauland in die Villa Satter. Er war sehr aufgeregt, seine Frau war mit den zwei jüngsten Kindern zu Verwandten nach Klagenfurt abgereist. Bald trafen auch Josef Schober, Alois Krauland, Direktor der Sparkasse, und Alfred Busbach in der Villa ein. Wieso auch? An eine diesbezügliche Vereinbarung erinnere ich mich nicht. In unseren Überlegungen zur Situation unterbrach uns Pepi Morscher, Sohn der Fleischerfamilie, sagte zu mir: "Dich suchen sie, du sollst zu Gericht, um über Martin Sturm auszusagen." Ich ahnte eine Falle, ging nicht. Bald danach erschien meine Schwester mit der gleichen Nachricht, die ein slowenischer Bote auch mündlich zu uns nachhause gebracht hatte. Also entschloß ich mich zu gehen, denn es war anzunehmen, daß Pepi und die Schwester beobachtet werden, somit auch die Villa. Ich bat Schwester Elfi, die schwanger war, mich ein Stück zu begleiten. Am Ende der Hauff'schen Allee, in der die Villa stand, verabschiedete ich mich von Elfi, mit einem Gruß an die Eltern. Beim Gasthaus "Harde" sah ich zwei Gendarmen. Und der narednik (Feldwebel), mein "Freund" mit der Führerscheinstrafe, sah mich auch. Er zog das Gewehr zurecht, winkte dem Kollegen. Beim Gasthof Schleimer trafen wir uns, der narednik sah mich streng an, sprach: "Gospod Lackner, v imenu postave ste internirani !" (Herr Lackner, im Namen des Gesetzes sind Sie interniert!) Auf meinen Einwand, ich sollte doch zum Gericht, sagte er barsch, jetzt herrsche Militärrecht. Ich wurde in die Mitte genommen, mit auf den Gewehren aufgesteckten Bajonetten auf der Hauptstraße zum Gymnasium "begleitet". Es war kurz vor der 10-Uhr-Messe, der Hauptplatz bis zur Kirche voller Menschen. Beim Kaffeehaus "Zurl" begegneten wir zwei stadtbekannten slowenischen "Damen", eine spuckte mir vor die Füße.

Im Gymnasium mußte ich in der ersten Klasse Platz nehmen, mein "Maturantenstatus" wurde nicht respektiert. Vom narednik wurde ich noch aufgefordert, mich ruhig zu verhalten, dann gingen meine "Begleiter". Ich ließ mich in einer Bank auf der Fensterseite nieder. Der im Gang vor der Klasse stehende Wachposten, ein älterer Soldat, schaute zur Tür herein und bat mich, keinen Fluchtversuch zu unternehmen. Er sei Reservist, Bauer aus der Gegend von Velike La¹èe, hafte mit seinem Kopf. Ich beruhigte ihn, er schloß die Tür. Sie wurde noch etliche Male geöffnet, es kamen in Abständen: Tischlermeister Josef Kraker - der in der nahen "Sonne" beim Gabelfrühstück war, auf die Nachricht, daß sie jemanden abführen, vors Haus ging. Als er zum Gymnasium schaute, legte sich eine Hand von hinten auf seine Schulter und eine Stimme sprach: "Gospod Kraker v imenu ..." und so weiter. Dann erschienen: Dr. Hans Arko, Gerhard Röthel, Bürgermeister Johann Schemitsch von Mösel, Bürgermeister von Rieg Ernst Zurl mit Pfarrer Heinrich Wittine von Morobitz und zuletzt Pfarrer Adolf Schauer von Nesseltal. Die auswärtigen Herren hatte man mit einer angeblichen Einladung zur Besprechung mit dem Bezirkshauptmann abgeholt.

Am Nachmittag wurden wir mit dem Lastauto des slowenischen Schlossers (Werkstatt hinter der Post) nach Metlika gefahren, zur Gendarmeriestation, wo wir die Nacht in einem Zimmer verbrachten, in dem es einen Tisch und zur Beleuchtung eine Glühbirne gab. Wir saßen oder lagen irgendwo auf dem Boden herum. Der Raum war im ersten Stock. Eine der zwei Türen blieb halb geöffnet, draußen davor im Gang stand bei spärlicher Beleuchtung ein Jüngling mit umgehängtem Gewehr. Irgendwann hörte ich ein verhaltenes Reden, sah einen schwarzhaarigen Typ in einem zerbeulten Trenchcoat. Er deutete mit der Hand in die Richtung Dr. Arko, der mitten im Zimmer auf dem Rücken lag, und sagte zum Posten: "Pucaj tamo, pucaj ..." [Schieß dorthin, schieß....] Der Jüngling rührte sich nicht, der Schwarze verschwand.

Anderntags wurden wir im obersten Stock des Schlosses untergebracht, hatten zwei Zimmer zur Verfügung, Strohsäcke und Militärdecken zum Schlafen. Bewacht und gut bedient wurden wir von zwei uniformierten Finanzern, einen kannte ich vom Weineinkauf in Maierle. Im Lauf des Tages teilte er mir mit, daß irgendwann in der Nacht weitere Internierte aus der Moschnitze ankommen werden. Und er bat mich wecken zu dürfen, um meinen Landsleuten zu sagen, sie mögen sich ruhig verhalten. Gegen Mitternacht war es so weit. Ich wartete vor unserer Schlafzimmertür. Bald erschien in Doppelreihe ein Zug von Männern, jeweils am Arm aneinander gefesselt. Es waren insgesamt zwölf, an der Spitze und am Ende je ein Gendarm. Alle Namen der Moschnitzer weiß ich nicht mehr, ihre verhärteten Gesichter entspannten sich, als sie mich sahen. Ich sprach in ihrem Zimmer mit ihnen, sie erwähnten, man habe sie sehr roh behandelt.

In meiner schon mehrfach genannten autobiographischen Niederschrift habe ich das Interniertsein in Möttling, die Entlassung am 9. April und die Heimkehr ausführlich geschildert. Grundsätzlich kann ich sagen: wir wurden gut behandelt, aus der Bevölkerung erreichten uns Zusprüche der Loyalität, der Sympathie.

10. -11. April = falsch!

11.-12. April: "In der Nacht vom 10. zum 11. April haben die gottscheer Deutschen alle Gendarmeriestationen im Gottscheerland entwaffnet, die beschlagnahmten Waffen auf die Stürme verteilt und Wachen aufgestellt. "

In der Besorgnis wegen durchziehender, auf dem Rückzug befindlicher Truppenteile, meistens Serben, die laut Meldungen aus dem Hinterland Essen forderten und Vieh requirierten, besuchten wir, Schober, Lampeter und ich, am Karfreitag den Bezirkshauptmann Bratina. Schober sprach von unserer Besorgnis, von der Unsicherheit, und machte den Vorschlag, man möge uns Waffen geben, damit wir gemeinsam mit der Gendarmerie für die Sicherheit der Bevölkerung sorgen könnten. Bratina meinte, er müsse deswegen den Ban in Laibach anrufen. Nach dem Anruf sagte er, der Ban lehne den Vorschlag ab. Darauf erbat Lampeter entschieden eine schriftliche Anweisung an die Gendarmeriekommandanten, uns Waffen zu überlassen. Für den Fall, daß wir ohne seine Anweisung handeln müßten, würde er für etwaige Folgen die Verantwortung zu tragen haben. Wir bekamen die in Befehlsform gehaltene Weisung in zweifacher Ausfertigung. An den Wortlaut kann ich mich leider nicht erinnern.

Den Besuch der Gendarmerien teilten wir: Lampeter und Busbach übernahmen das Land und das Hinterland, sie fuhren mit Busbachs Motorrad. Sturm und ich, wir fuhren mit dem PKW Tatra vom Bäcker Hiris nach dem Walden und sollten weiter in die Moschnitze. Über den Vorgang bei der Gendarmerie in Altlag habe ich keine Erinnerung. Jedenfalls gab es keine Probleme auf unsere Forderung, dem Obmann Krische - der Sturmführer wohnte in Langenton - laut Weisung des Bezirkshauptmannes, die wir dem Postenführer zum Lesen gaben, Waffen zu geben. In die Moschnitze fuhren wir nicht die kürzere Strecke über Einöd, sondern zurück über Klindorf, Schalkendorf, Nesseltal, Stockendorf. In Nesseltal, es war schon Nacht, war das Gebäude der Gendarmerie nicht beleuchtet, wir nahmen an, daß Lampeter und Busbach schon dort waren.

In Tschermoschnitz war der Sturmführer Juran noch auf. Gemeinsam gingen wir zur Gendarmerie, klopften den Vorsteher heraus, er war ohne Uniformrock und hatte Hausschuhe an. Er las den Befehl, wollte ihn gleich ausführen. Wir sagten, er soll es am kommenden Morgen machen. Weder ihm noch uns fiel es ein, daß Tschermoschnitz zum Bezirk Novo mesto gehört.

Lampeter und Busbach hatten auch keine Schwierigkeiten, jedenfalls haben sie nichts dergleichen verlauten lassen. Wir fuhren wieder über Stockendorf zurück. Es war überall ruhig, auch in der Stadt. Ich brachte Sturm nach Loschin. In Gschwend, gleich nach Mitterdorf, trafen wir auf einen Landsmann auf Posten, Sturm kannte ihn. Im Waldstück danach gerieten wir in eine Militäreinheit, wurden von Gewehrläufen "umringt". Einem Leutnant erklärte ich, daß wir im nächsten Dorf zuhause seien. Er richtete das Gewehr gegen die Motorhaube und rief: "Teraj ti tvoj avto! " - ["Antreib du, dein Auto!"] Man ließ uns fahren. Am Ende der Truppe wurde ein Zivilist mitgeführt. Am nächsten Tag erfuhren wir, daß der Posten in Gschwend diese Militäreinheit angerufen hatte. Der Zivilist nutzte es zur Flucht, er war ein Gottscheer. Darauf wurde der Posten erschossen.

Weitere Datierungen stimmen auch nicht:

Am 11. April habe Lampeter gewaltsam den Bezirkshauptmann abgesetzt. Am 11. April haben wir nur seine Anweisung an die Gendarmerie gefordert und, wie beschrieben, die Stationen aufgesucht.

Am 12. April vormittags fuhr ich mit dem "Tatra" bis nach Brod a.d. Kulpa. Dort erreichte ich die reguläre jugoslawische Kompanie, die auf dem Rückzug kurzfristig im Studentenheim in der Stadt stationiert und am frühen Morgen weiter gezogen war. Unterwegs wurden von dieser in Grafenfeld, Lienfeld und vermutlich auch Stalzern an die 70 Stück Vieh requiriert. Ich sah die Rinderherde bei Brod auf einer Wiese weiden. Der Kompanieführer, dem ich mitteilte, die deutschen Truppen seien schon in Novo mesto, der Krieg sei eigentlich zu Ende, erklärte sich bereit, die Herde bis Mrauen zurückführen zu lassen. Ob es geschehen ist?

Am Nachmittag, nach Beratungen in der Kreisführung des SDRB, fuhr ich nach Novo mesto. Auf dem Hauptplatz war deutsches Militär. Ein Kompanieführer hörte sich meinen Lagebericht an, suchte seinen Bataillonschef auf. Von diesem kam er mit dem Bescheid, man dürfe nicht ins Gottscheerland, weil es italienisches Besatzungsgebiet sei. Erst in der bedrückenden Situation ob dieser Mitteilung wurde der Beschluß gefaßt, den Bezirkshauptmann und die Belegschaft des Amtes zu "entlassen". Von Gewalt dabei ist mir nichts bekannt. Schober, nunmehr "Volksgruppenführer" ernannte Lampeter zum kommissarischen Bezirkshauptmann, Dr. Arko zum Bürgermeister der Stadt. Daß Martin Sturm "polizeilicher Kommissar" geworden sei, davon habe ich nie etwas gehört.

Am 13. April - das war der Ostersonntag - habe italienisches Militär Grafenfeld und Lienfeld besetzt, eine Mehrzahl von Slowenen eingesperrt, einige erst nach elf Tagen entlassen. Woher kam dieses Militär? denn erst am 16. April haben Einheiten der italienischen Division Isonzo das Gottscheerland besetzt.

14. April: "Nach Gottschee kamen in drei Autos Deutsche gefahren, vor der Kirche haben sie viele gottscheer Deutsche erwartet. Am gleichen Tag haben sie über das Schicksal von annähernd 70 Slowenen beraten, die sie schon am ersten Tag ihrer Herrschaft eingesperrt haben."

Ich habe nur die Ankunft von zwei deutschen Soldaten miterlebt, die auf einem Motorrad mit Beiwagen von Tschernembl unerlaubt einen Abstecher in die Stadt Gottschee machten. Es waren Kriegsberichterstatter, sie wußten von unserer Sprachinsel. Wir Jungen feierten mit ihnen im "Hotel Triest", dann fuhren sie wieder ab. - Wo waren die "siebzig Slowenen" eingesperrt? Gab es im Gefängnis im Schloß so viel Platz? Wer hat über ihr Schicksal beraten? Ich war nicht bei einer solchen Beratung. Daß man einige Slowenen eingesperrt hat, habe ich gehört.

23. April: "Der italienische Kommissar Dr. Giovanni Sisgoreo hat von der Führung der gottscheer Deutschen die Behörde übernommen."

Dazu schreibt sie auf der Seite 83:

"Grazioli (Hoher Kommissar der Provinz Lujbljana) hat nicht viel Rücksicht auf die gottscheer Deutschen genommen. Nach Gottschee schickte er ein besonderes Polizeidetachment mit der Aufgabe, daß die Kulturbündler sofort aus den Ämtern gejagt, und daß man dort wieder die slowenischen Beamten einstellt."

Dazu kann ich berichten: Schober, Lampeter und Sturm waren schon der offiziellen Einladung des Gauleiters Uiberreither zum Empfang bei Hitler gefolgt und nach Marburg abgereist. Mich hatte Lampeter gebeten, ihn in der Bezirkshauptmannschaft zu vertreten. Am zweiten Tag meiner Anwesenheit dort erschien der italienische Zivilkommissär, mit ihm der Bezirkshauptmann Bratina und seine ganze Belegschaft. Dr. Sisgoreo stellte sich als beauftragter Zivilkommissar vor, ich mich als der Jugendführer. "O, ich war auch einmal Jugendführer" freute er sich, auf italienisch. Wir begrüßten uns herzlich, mit der damaligen Grußart. Er bat mich um die Schlüssel; den zur großen Tresorkasse behielt ich noch, erklärte, Lampeter habe ihn, sei zum Empfang bei Hitler in Maribor. Ich wurde freundlich verabschiedet. Von einer besonderen Polizeieinheit habe ich nichts bemerkt.

S. 82: "High fidelity". "Man spricht, daß der Kulturbund slowenisches Vermögen requiriert, daß sie in den Magazinen in Tschernembl requirieren (Josip Verderber, Heinrich Hönigmann), auch außerhalb des gottscheer Gebietes, in den Ämtern die Jugendlichen (einschließlich der Kulturbundschen) Schriften durchsehen und vernichten, was ihnen nicht gefällt. Mit einem Wort: die Kulturbündler sind aufgetreten wie eine politische, militärische und verwaltende Behörde auf jugoslawischem Gebiet und benahmen sich wie absolute Okkupanten. Um dieser ihrer Usurpation nach außen den Anschein der Loyalität zu geben, führten sie einen gefangenen, in die Uniform eines deutschen Offiziers verkleideten Herumbummler, damit die Leute glaubten, daß dies alles im Einvernehmen mit der deutschen Armee geschieht."

Zu diesen Ausführungen der Schreiberin "dem Hören nach - govori se -" kann ich bemerken:

1. Von Volksgruppenführer Josef Schober erging die strenge Weisung an die Obmänner und die Sturmführer der Mannschaft, keinem Slowenen Ungerechtes anzutun.

2. Heinrich Hönigmann und Josef Verderber waren Spediteure, sie könnten irgend einen Transportauftrag durchgeführt haben. Verderber, mein Schwager, wohnte bei uns. Er war zur Kavallerie in Zagreb eingezogen, wann er heim gekommen ist, weiß ich nicht genau. Auf jeden Fall hätte ich von ihm irgendwas über eine Aktivität laut "se govori" erfahren.

3. Um unser angebliches Verhalten gleich absoluten Okkupanten den Anschein zu geben, daß wir im Einvernehmen mit der deutschen Armee handelten, sei ein Herumlungerer als deutscher Offizier verkleidet durch die Stadt geführt worden: In den wenigen Tagen vom Ostersonntag bis zum Eintreffen der italienischen Division hat sich der deutsche Leutnant Ströbele in der Stadt aufgehalten. Ich nehme an, daß er von der Wehrmacht in Novo mesto entsandt worden war. Ihm bin ich in der Bezirkshauptmannschaft begegnet, als ich gebeten wurde, dem Verhör meines einstigen Mitschülers Janez Rankel beizuwohnen, das dieser Leutnant vornahm. In meiner "Biographie" habe ich den Vorgang kurz beschrieben. Um was es sich beim versuchten Verhör handeln sollte, erfuhr ich nicht, weil es abgebrochen wurde. Dem mir stets sympathischen Schulkameraden wurde es schlecht, nachdem mir Ströbele untersagte, Janez ein Glas Wasser zu bringen.

4. "Das Eintreffen der italienischen Okkupationsarmee in Gottschee hat jedoch diese Täuschung und die Kulturbündler kräftig entlarvt, sie nörgelten unter sich und Gustav Verderber mußte seine acht Galgenvorrichtungen im 'Archiv' [?] abgeben, die er für die Slowenen vorbereitet hatte, wenn die Deutschen kommen. Das beschreibt die nicht unterschriebene Quelle, die sich als Redakteur der Zeitungen 'Wahrheit' und 'Radikal' vorstellt.

Gewartet haben sie mit Rosen - Deutsche gab es nicht; jene, die sich vorher gefreut haben 'es nähert sich die Abrechnung mit den Krojnarji' (Krainern), waren doch fast erschrocken."

Daß die Täuschung mit dem deutschen verkleideten Offizier eine Lüge ist, konnte ich beweisen. Welche Landsleute "unter sich genörgelt" haben, ist mir unbekannt. (???) Die Behauptung, daß Gustav Verderber Vorrichtungen zum Aufhängen von Slowenen im "Archiv" abgeben mußte, deckt sich mit der kriminell bösen Anschuldigung im Buch "Pet sto let mesto Koèevje" von Ivan Simoviè 1971, die Gottscheer hätten eine Liste von 100 Slowenen erstellt, die sie vorhatten auf den Galgen, die im Gasthof "Harde" vorbereitet waren, aufzuhängen. Wo ist die Liste? Wer hat beim Gasthof "Harde" einen Galgen gesehen? In welchem "Archiv" sind, waren die Stricke? Wegen solcher Schilderungen gehören Schreiber und Schreiberinnen vor Gericht!

Weitere Stellungnahmen zu Ausführungen in "Iskalci Grala".

S. 72. vorletzter Absatz:
"Die Umsiedlung der Gottscheer Deutschen war auch in den Überlegungen Deutschlands Juni 1940. Dr. Sepp Janko, Führer der deutschen Volksgruppe für das Banat und Serbien, hatte eine umfangreiche Besprechung mit Richard Lackner; wegen fehlendem Geld und vorwiegend bäuerlicher Bevölkerung hat Dr. Janko gemeint, es wäre besser, wenn es zur Umsiedlung nach beendetem Krieg kommen würde."

Dazu wird in der Anmerkung 114 Dr. Janko zitiert in "Weg und Ende der deutschen Volksgruppe in Jugoslawien", Seite 62: "Ich wurde davon in Kenntnis gesetzt, worauf ich für alle Fälle, nach einer eingehenden Aussprache mit dem Jugendführer von Gottschee Richard Lackner, die Vorbereitungen in der Gottscheer Sprachinsel anlaufen ließ".

Es war im Herbst 1940, ich befand mich im Umsiedlerlager der Bessarabiendeutschen in Zemun bei Belgrad im freiwilligen Hilfsdienst der Jugend zur Betreuung der Umsiedler. Dort erreichte mich die Nachricht von Schober, daß ich nach Neusatz fahren solle, zu einer Besprechung mit dem Bundesführer Dr. Janko. Er teilte mir mit, daß man in Deutschland auch unsere Umsiedlung erwäge, umd zwar im Falle kriegerischer Auseinandersetzung mit Jugoslawien. Wer ihn beauftragt habe, uns das mitzuteilen, durfte er nicht sagen, und er meinte, wir sollten ohne Aufsehen versuchen, den Bevölkerungs- und Vermögensstand unserer Volksgruppe zu erfassen. Ob meiner Bestürzung meinte er, es werde wohl nicht dazu kommen. Er sagte nicht "nach beendetem Krieg". Und seine Mitteilung im zitierten Buch über fehlende Geldmittel und eine vorwiegend bäuerliche Bevölkerung betrifft die Umsiedlung der Bosniendeutschen!

S. 72-73: "Daß es zur Umsiedlung kommen werde, war schon im April 1941 angedeutet auf der Sitzung von Joachim von Ribbentrop mit Galeazzo Giano in Wien. 'Himmler hat die Vertreter der gottscheer Deutschen Schober, Lampeter und Sturm am 23. April in seinem Sonderzug empfangen, den er in der Kriegsoperation in Jugoslawien und Griechenland am Hauptbahnhof in Bruck a.d. Mur hatte. Bei diesem Treffen haben sie grundsätzlich die Umsiedlung der gottscheer Deutschen in den Gürtel an der Sawe und Sotla vereinbart."

(Anmerkung 115, Tone Ferenc, Nacistièna raznarodovalna politika v Sloveniji v letih 1941-1945, 5849.)

Zur mehrfach behaupteten Version einer "Umsiedlungsvereinbarung" beim Treffen mit Himmler am 23. April 1941 in Bruck a.d. Mur habe ich im Artikel "Zur Umsiedlung der Gottscheer" in der Gottscheer Zeitung April 1999 ausführlich Stellung genommen, begründet an Hand des Schreibens von Martin Sturm an Johann Schemitsch vom 18.09.1979.

Zur Ausführung Auersperger:

Die von Himmler empfangenen Vertreter der Volksgruppe waren nicht Schober, Lampeter und Sturm sondern Sturm und Johann Schemitsch. Der Empfang fand nicht im Sonderzug statt, sondern im Hotel "Bauer". Es gab keine Vereinbarung der Umsiedlung, sondern nur eine Kenntnisnahme des Planes seitens der zwei Delegierten. Die Entscheidung für die Umsiedlung traf die Volksgruppenführung nach dem Empfang der Volksdeutschen Vertreter Sloweniens bei Hitler am 26. April 1941 in Marburg.

Seite 74:" 'Wissen Sie, was mir der Mitschüler Richard Lackner sagte, als ich gegen die Politik Hitlers auftrat? Daß er mich anzeigen wird!' Die Gendarmerie hat die Gottscheer beschützt', erinnert sich an Einzelheiten Du¹an Bravnièar. Wir unterhielten uns im Jahr 2000, als er im Heim älterer Bürger im Tabor in Laibach war. 'Seine' Klasse am Realgymnasium in Gottschee war im Jahr 1937 - vor der Matura - in zwei Hälften geteilt. Auf einer Seite zwei Lackner, Erker, Hitlerjaner, und irgend ein Mihevc, der später als Domobrancen-Leutnant in Unterkrain gefallen ist; auf der anderen Seite Kommunisten - an die zehn waren es, alle Jahre von 1935 an - und andere mehr oder weniger bewußte Slowenen. Eine politisch durchdrungene Generation."

Ich erinnere mich selbstverständlich an Bravnièar, aber hauptsächlich an eine Streiterei in einer Pause im Klassenzimmer, bei der ich ihn mit der Faust auf die Nase traf, die dann blutete. Es war nicht in der Maturaklasse, sondern in der fünften oder sechsten Klasse. Danach haben wir kaum noch miteinander gesprochen. Ich wußte, daß er in den Sommerferien von Jo¾e Se¹ko instruiert wurde und dann kommunistisch eingestellt war. Ob ich ihm damals mit einer Anzeige gedroht habe? Die KPJ war verboten, mehr wußte ich davon nicht. " Die Gendarmerie schützte die Gottscheer" - o ja!

Der Kulturbund wurde 1936 verboten, die letzten Gottscheer Lehrer in slowenische Gegenden versetzt, Hausdurchsuchungen und Gefängnisstrafen erfolgten, wie z. B. im Falle Hilde Erker in Mitterdorf.

Die angeblichen "auch Hitlerjaner" in der Klasse: Alfred Lackner, Sohn einer deutschgottscheer Lehrerfamilie, hat sich nie für unser Volkstum interessiert, das Gleiche kann man, abgemildert, von Otmar Erker sagen. Daß auf der "anderen Seite" an die zehn Kommunisten waren, habe ich nicht gewußt.

Auf der Seite 75, Ende des Absatzes, erzählt Bravnièar, der irgend wann später mit einem Paket Flugblätter im Rucksack unterwegs war, daß beim Kulturbundheim in Mitterdorf eine Gendarmeriepatrouille war, die das Heim bewachte, damit Slowenen nichts anstellen.

Stichwort Kulturbundheim: Auf S. 168 behauptet die Auersperger, daß bei der Eröffnung des Heimes im Juli 1935 beim Fackelzug Hitlerrufe ertönten und das Horst Wessel-Lied gesungen wurde. - Ich war bei der festlichen Eröffnung und Einsegnung des Heimes durch Pfarrer Eppich nicht dabei. Den Hitlergruß und das Singen des Horst Wessel-Liedes haben wir in der Jugendarbeit bis Ostern 1941 grundsätzlich untersagt. Irgend einen unbedachten Schreier hat es wohl dort und da gegeben. Frau Auersperger hat anscheinend bei ihrer Forscherei nicht erfahren, daß nach der Einsegnung der Fackelzug von einer mit Knüppeln bewaffneten Horde überfallen und zerstreut wurde. Der Sprache nach waren es Slowenen. (Gottscheer Kalender 1936, Jahresrückschau.)

Seite 176: Tekma za resnico. [Wettkampf um die Wahrheit.]

Zum Vorhaben John Tschinkels, die Dissertation von Hans Hermann Frensing "Die Umsiedlung der Gottscheer" (Verlag Oldenbourg, München 1970) ins Englische zu übersetzen, und den dabei sich ergebenden Mißverständnissen füge ich meine Ausführungen bei, die ich als Ehrenvorsitzender der Gottscheer Landsmannschaft in Deutschland im September 1999 verfaßt habe, desgleichen den Artikel "Kri¾ev pot slovencev" samt Anlage. Die Behauptung, ich sei auf dem Wege nach Westfalen gewesen, wo Frensing lebt, ist eine Lüge.

Und gelogen wird im Absatz danach mit der Behauptung der Auersperger, daß meine Reise am 28. Dezember 1941 nach Berlin gegenstandslos gewesen sei: Himmler, dem ich berichten wollte, daß "die Sachen im Ansiedlungsgebiet nicht glatt verlaufen", habe mich nicht empfangen. Das Geschenk für ihn sei in meinen Händen verblieben.

Im Stabshauptamt erhielt ich die Auskunft, daß Himmler im Führerhauptquartier weile, Obergruppenführer Greifelt erst am 3. Januar wieder im Amt sei. An dem Tag wurde ich von ihm empfangen, zugegen war der Oberführer Hintze. Dieser erklärte nach meinem Bericht über die untragbaren Zustände im Ansiedlungsgebiet: "Ich komme hinunter und werde Ordnung machen!" Das erwähnte Geschenk für Himmler habe ich nicht wieder mitgenommen, weil ich gar keines hatte!


S. 178, Foto von 1941: "Führer der gottscheer Volksgruppe". Vier Männer in der "Mannschaftsuniform", von links nach rechts: Josef Schober (Stellvertreter Lampeters), Alfred Busbach, Richard Lackner und unbekannt" - Alle falsch!
Es sind von links nach rechts: Fotograf Josef Dornig, Uhrmacher Konrad Rom, Kaufmann Albert Hönigmann und der "Unbekannte" ist Franz Fink aus Atlag, in der Stadt damals als Fleischhauer beschäftigt beim Fleischhauer Franz Rom im Hause Koscher. Alle verstorben. In Graz leben: Die Witwe und die Tochter von Josef Dornig sowie die Tochter von Albert Hönigmann.


Voditelji koèevarske narodne skupine. Od leve proti desni: Josef Schober (namestnik Wilhelma Lampetra), Alfred Busbach, Richard Lackner in neznani. (1941).

Falsch ist die Anmerkung zu Schober (Stellvertreter Lampeters) - es war umgekehrt.

gez.Richard Lackner
Graz Februar 2005

Unterschrift Richard Lackner


S. 181 oben: "Tudi Siegfried Morscher, ki je bil doma v Dolgi vasi pri Koèevju ..."
"Auch Siegfried Morscher, der in Grafenfeld bei Gottschee zuhause war..."

Falsch! - Siegfried Morscher, genannt Siegele, Angestellter in der Einzelhandlung Matthias Rom in der Stadt, war in Langenton - Smuka zuhause, nicht in Grafenfeld.

S. 184: "Martin Sturm, der im Gurkfeld - Ranner Dreieck die Arbeit Lampeters übernommen hat, hat im April 1945 mit dem Kreisführer Swoboda gesprochen, daß man sich für den Rückzug vorbereiten sollte. Den gottscheer Deutschen antwortete Swoboda, der Befehl des Gauleiters laute, es soll jeder ausharren, der sein Leben nicht verschwenden will." (Zitat 322: Ernest Erker, "Der Weg in die neue Heimat", Graz 1988, S. 71.)

Martin Sturm hat nicht eine "Arbeit" Lampeters im Ansiedlungsgebiet übernommen, denn Lampeter wurde im Februar 1942 vom Gauleiter seiner Tätigkeit als Mitglied der bisherigen Volksgruppenführung enthoben und bald darauf zum Kriegsdienst eingezogen. Sturm wurde in der Kreisbauernschaft angestellt. Als Kenner der landwirtschaftlichen Verhältnisse im Gottscheerland war er bei der Zuweisung von Höfen an die Umsiedler beratend tätig.

Zu Lampeter: Bald nach seiner Absetzung wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, kam bis in den Kaukasus. Er wurde schwer verwundet und nach einem Lazarettaufenthalt - wo weiß ich nicht - als untauglich für den Kriegsdienst entlassen. Im Herbst 1942 wohnte er allein in Rann, seine Frau hielt sich zur Geburt ihres Sohnes in ihrer Heimat in Chemnitz auf. Damals habe ich Lampeter und Sturm, der Witwer war (seine Frau Käthe aus Ulm war in Gottschee gestorben), "gezwungen", in der Wohnung Lampeters im Radio die ganze Neunte Symphonie von Beethoven anzuhören. Über den Aufenthalt Lampeters 1943 bin ich nicht informiert. Im Februar 1944 war er beim Begräbnis von Alfred Busbach, der im Abwehreinsatz gegen Partisanen gefallen war, in Rann. Und im Herbst 1944 besuchte er mich im Lazarett in Graz. Im März 1945 wohnte er mit Martin Sturm in Rann, in einem Haus an der Straße zum Bahnhof. Ihre Frauen - Sturm hatte wieder geheiratet - waren sicherheitshalber in ihren Heimatorten, Frau Lampeter in Chemnitz, Frau Sturm mit ihrem Töchterlein und dem aus Sturms erster Ehe im Pongau. Im März 1945 war ich zwei Wochen auf Genesungsurlaub in Rann, nach meinem Lazarettaufenthalt seit Juli 1944 in Graz. In jenen Tagen war ich fast jeden Abend mit Lampeter und Sturm zusammen, besorgt über die Kriegslage. Beim Abschied habe ich beide gebeten, nach Möglichkeit für einen rechtzeitigen Rückzug der Volksgruppe nach Österreich zu sorgen. Demnach war Lampeter nicht im SS-Stabshauptamt, was auf S. 301 behauptet wird: Er sei am 01.01.1945 von einer SS-Einheit in Buchenwald in das SS-Hauptamt versetzt worden!

Bei einem unserer Wiedersehen nach 1989 erzählte er mir, daß er im April 1945 von Rann aus in Kontakt mit einer maßgeblichen deutschen Stelle in Laibach war, die ihm zusicherte, den Termin für eine Evakuierung der Umsiedler rechtzeitig bekannt zu geben. Das war dann aber nicht der Fall. Er ist von Rann kurz nach Kriegsende auf allerlei Umwegen zu seiner Familie nach Sachsen gekommen. Ein Beispiel der "Umwege": Laut Tagebuch meiner Schwester, die schon länger aus dem Ansiedlungsgebiet mit ihren drei Kindern in ein Mütterheim in der Obersteiermark umgezogen war, wartete sie nach dem Krieg im Pongau auf ihren Mann. Eines Tages kam er mit einem motorisierten Fahrzeug mit einem Anhänger an, auf dem "Willi, Martin und Dr. Krauland mit Gepäck saßen" (Willi Lampeter, Martin Sturm).

Noch Falsches über Lampeter: S. 100, letzter Absatz: "Opisal je" - Dr. Tone Ferenc -tudi vlogo Wilhelma Lampetra in Richarda Lackner ja kot 'narodnostih poznavalcev' v uradu. Ta dva sta skupaj z vodjo vsakega sturma povedala, kateri ljudje so politièno nezavesljivi ali napol slovenskega naroda." [Die zwei haben zusammen mit dem Führer jedes Sturmes gesagt, welche Leute politisch unzuverlässlich sind oder halb slowenischen Volkes.]

Lampeter war nicht in dieser Dienststelle des EWZ-Zuges bei der Durchschleusung der Optanten. Ich war etwa eine Woche mit Albert Krainer in diesem Zugabteil, danach Krainer mit Franz Tschinkel [?] aus der Stadt. Eine Beurteilung erfolgte anhand der schriftlichen Unterlagen aus dem Sturmbereich. Dabei wurde auch ein Cousin meiner Mutter ein A-Fall (Ansiedlung im Altreich). Übrigens: Als A-Fälle wurden vor allem Einzelpersonen und Familien eingestuft, die mit erblichen Krankheiten belastet waren. Diese Einstufung wurde von der reichsdeutschen Ärztekommission im EWZ-Zug vorgenommen.

Tschinkel schreibt in "Richard Lackner POW":

"Nach dem Krieg wurde Lampeter angesehener Professor an einer Universität in der DDR, eine Position, die normal nur einem loyalen Kommunisten zuerkannt wird."

Lampeter kam bald nach dem Krieg zu seiner Familie nach Chemnitz, zu seiner Frau, dem Sohn und einer Tochter. Fachlich konnte er sein Wissen bei einem renommierten Saatgutzüchter erweitern. Nach dessen Tod war er einer der wenigen Fachleute auf diesem wichtigen landwirtschaftlichen Gebiet, daher seine Universitätslaufbahn. Anfang der Sechzigerjahre flüchtete sein Sohn Wolfgang in die Bundesrepublik um studieren zu können. Er wurde ein bedeutender Veterinär, lebt in Bayern. Und Anfang der Achtzigerjahre versuchte seine Tochter, Kunstfotografin, mit ihrem Mann, Dr. med., über Ungarn in die Bundesrepublik zu gelangen. Sie wurden in Ungarn verhaftet und an die DDR ausgeliefert, dort zu Zuchthaus verurteilt, er zu 2 1/2, sie zu zwei Jahren. Sie hatten das Glück, alsbald von der Bundesrepublik "heraus gekauft" zu werden. Nach dem Ende der DDR konnten sie heimkehren.

Mich betreffend schreibt Tschinkel im letzten Absatz des POW- Pamphlets:

" Es ist nicht bekannt, welche spezifischen Dienste Richard Lackner während der Jahre 1942-1945 erbracht hat. Aber es war in der Tatsache sein Chef SS-Major Wilhelm Lampeter, und wir werden nicht überrascht sein, wenn die Wahrheit hervorkommt, was unvermeidlich sein wird."

Meine Ausführungen dazu in Stichworten gelten unmittelbar nicht dem Lügenschreiber Tschinkel, sondern meinen Landsleuten und seriösen Historikern.

Im Jänner 1942 wurde Lampeter von einem "Parteigericht" in Marburg, geleitet von Gauleiter Uiberreither, im Beisein von SS-Oberführer Hintze und Mitgliedern des Ansiedlungsstabes, sämtlicher Befugnisse enthoben. Anlaß war sein direktes Schreiben an Himmler über die Zustände im Ansiedlungsgebiet. Mir wurde die Erlaubnis erteilt - "Sie dürfen ..." - die Jugendführung des Steirischen Heimatbundes im Kreis Rann zu übernehmen. Widerwillig, auf das Zureden Lampeters, übernahm ich diese Dienststelle, besetzte sie fast nur mit Gottscheern und Gottscheerinnen. Zuständig waren wir allerdings vorerst nur für den "windischen" Teil des Kreises, das Ansiedlungsgebiet wurde noch vom Ansiedlungsstab "betreut".

Die Jugendarbeit im Sinne des Heimatbundes, also die "Wiedereindeutschung" wurde mir eine Belastung, dieses nach einer jahrelangen Abwehr der Slowenisierungsaktionen gegen uns in der alten Heimat. Daher folgte ich dem Wunsche des Kunstmalers Pipo Peteln zur hauptberuflichen Mitarbeit im von ihm geleiteten Kulturamt in der Bundesführung in Marburg, die ich im Spätherbst 1942 übernehmen konnte. Im Frühsommer 1943 versetzte man mich wieder nach Rann, ins Amt Organisation der Kreisführung, um nunmehr den Heimatbund im Ansiedlungsgebiet aufzubauen. Ich übernahm diese Aufgabe, weil mir der Bundesführer Steindl sagte: "Wenn Ihre Gottscheer nicht aktiv mitmachen wollen, setze ich Euch windische Orts- und Blockführer vor die Nase!"

Diese Aufgabe konnte ich im Laufe des Sommers 1943 durchführen, den Hauptteil der Ortsgruppen mit Gottscheern auf leitenden Posten. Danach ergab sich mir die Möglichkeit, wieder einen Kurs "Vergleichende Kunstbetrachtung" bei Prof. Kornmann in Starnberg in Bayern zu belegen, in einem formlosen Einvernehmen mit Kreisführer Swoboda. Nach meiner Rückkehr teilte mir seine Sekretärin mit, daß der Leiter des mir vorgesetzten Führangsamtes in der Bundesführung mehrmals nach mir gefragt habe. Ich rief ihn an, erklärte ihm meine Abwesenheit. Er reagierte verständnislos, maßregelte mich; ich hätte auch seine Zustimmung einholen müssen. Zu diesem Zeitpunkt weilte eine Werbekommission der Waffen-SS in Rann. In meinem Ärger über die Maßregelung meldete ich mich freiwillig und kündigte beim Heimatbund. Ende Oktober wurde ich einberufen. Als absolvierter Maturant - in Deutschland Abiturient - wurde ich gleich am Beginn der Grundausbildung als Offiziersanwärter eingestuft. Das bin ich auch geblieben, als einfacher Schütze bis Kriegsende. Im Februar 1944 bekam ich einen Kurzurlaub nach Rann, vor dem Einsatz zur Frontbewährung als Offiziersanwärter. Während meines Aufenthaltes in Rann ist Freund Alfred Busbach im Abwehreinsatz gegen Partisanen gefallen, ich habe das feierliche Begräbnis vorbereitet. Auch Lampeter war zugegen.

Im März wurde ich mit anderen Anwärtern an die Ostfront in Marsch gesetzt, wir waren zu acht, geleitet von einem Unterscharführer. Auf Umwegen gelangten wir bis Stanislaus im Süden Rußlands, wurden von dort nach Polen umdirigiert, blieben tatenlos bis Ende Mai auf dem Truppenübungsplatz Debica bei Krakau.

Dann kamen wir zum Einsatz an die Front in Rumänien, in der Moldau bei Jassy. Nach einigen Tagen im Schützengraben wurden wir in ein Dorf im Hinterland verlegt. Unsere Kompanie gehörte zur Division Totenkopf - und nicht zur SS-Division "Götz von Berlichingen", wie das John Tschinkel in einem Schreiben vom 20. September 2005 an Seine Eminenz Mag. Christian Werner behauptet. Im Juni 1944 wurde die Division oder ein Teil davon nach Ostpolen in die Nähe von Grodno verlegt. Dort wurde ich bei einer Angriffsaktion verwundet, ein Granatsplitter schürfte mein rechtes Hüftbecken; es war am 19. Juni 1944. In einem Lastenzug mit Verwundeten, am Boden liegend, kam ich nach Königsberg / Ostpreußen, wurde im Lazarett operiert. Nach gut zwei Wochen wurde ich mit etlichen Verwundeten auf ein Lazarettschiff im Hafen Pillau gebracht. Wir landeten in Swinemünde. Im Hafen trug man mich in einen der drei wartenden Lazarettzüge. Und dieser Zug brachte uns nach Graz, wo mich meine Mutter von Rann aus am dritten Tag besuchen konnte. In Graz blieb ich bis März 1945, weil die bereits verheilte Wunde eiterte und ich nochmals gründlich operiert werden mußte. Im Herbst 1944 hat mich Lampeter im Lazarett besucht. Auf meine Frage, woher er komme, sagte er: "von Rann". Von meinem 14tägigen Genesungsurlaub in Rann im März 1945 habe ich schon berichtet, auch vom Zusammensein dort mit Lampeter und Martin Sturm.

Mit der Entlassung aus dem Lazarett in Graz erhielt ich die Weisung zur SS-Versehrtenkompanie in Ellwangen a.d. Jagst, Württemberg. Über Wien, Prag, Nürnberg gelangte ich in überfüllten Zügen und teilweise zu Fuß wegen Tieffliegerangriffen dorthin. Die "Kompanie" war nicht komplett, sie bestand aus circa zwanzig Versehrten, und es gab eigentlich keinen Dienst. Kurz nach dem 20. April - es gab keine Feier zu Hitlers Geburtstag, die US-Truppen waren schon vor dem nahen Crailsheim - wurden wir in Richtung Osten in Marsch gesetzt. Es war schon die Rede von einer "Alpenfestung" in Bayern. Das habe ich in meinem Bericht "Direkt aus Amerika" in der Gottscheer Zeitung erwähnt. Und das hat Herrn John Tschinkel, von seinem Verfolgungswahn besessen, zur Feststellung veranlaßt, ich hätte "zu den loyalsten Mitgliedern der SS gehört, die den letzten Stand des Reiches geschützt haben".

Wir waren ein "verlorener Haufen", auf Fußmärschen bis zur Autobahn Nürnberg - München, dann mit einem Militär-LKW bis nach Bad Tölz in Oberbayern, Ankunft am 01. Mai, wo wir die Nacht im Freien bei Schneefall verbrachten. Am 02. Mai zogen wir in Richtung Lenggries, verbrachten die Nacht in einer ländlichen Streusiedlung, irgendwie verzettelt. Am Morgen des 03. Mai erfuhren wir irgendwie, daß Hitler "gefallen" sei. Bald darauf hieß es, die Amis seien im Kommen. Vereinzelt rückten wir ab. Ich geriet im Gelände eines Bauernhofes an einen Stacheldrahtzaun in Halbmannshöhe, versuchte darunter durch zu kriechen. Ein Schlag streckte mich nieder, ich blutete aus dem Mund. Unweit von mir stand ein Ami mit einer Maschinenpistole im Anschlag. Er winkte einem auftauchenden Kameraden, mir zu helfen. Er konnte mit seinem Notverbandszeug meinen Hals verbinden. So geriet ich in die US-Kriegsgefangenschaft.

Die Nacht verbrachte ich allein in einem größeren US-Zelt, anderntags wurde ich mit einigen anderen Gefangenen in einem US-Fahrzeug abtransportiert. Nach einer längeren Fahrt mußte ich allein aussteigen, bemerkte dabei eine Ortstafel mit der Bezeichnung "Lauingen / Donau". In einem nahen Feldlazarett, es war ziemlich belegt, wurde ich am Hals untersucht und angenehm narkotisiert. Ein Gespräch mit dem sympathischen Arzt gab es nicht, ich konnte nicht englisch. Deutsche Ärzte im Dienst der Amerikaner bewunderten in der Folge die Operation und auch mein Glück, daß der Halsdurchschuß von rechts nach links kein lebenswichtiges Organ beschädigt hatte.

Folgend die Stationen bis zum Freisein: Internierungslazarett Mergentheim bis November 1945, Gefangenschaft bis Ende Dezember Karlsruhe, Lager Heilbronn bis Mai 1946, danach Entlassungslager bei Darmstadt. Entlassung am 28. Juni nach Geislingen, Niederlassung in Ulm a.d. Donau.

Nach diesem meinen Bericht "welche spezifischen Dienste Richard Lackner während der Jahre 1942-45 erbracht hat" will ich mich nur noch mit einigen wenigen Behauptungen und Lügen des Schreiberlingpaares Tschinkel - Auersperger befassen, denn die Beschäftigung mit den Beiden widert mich allmählich an.

Tschinkel erwähnt immer wieder die "Kulturreferenten" und "Ehrenmitglieder" Lampeter und Lackner. Auersperger behauptet auf der Seite 14, vorletzter Absatz, die Kulturtagung der deutschen und österreichischen Organisation der Landsmannschaft in Sindelfingen (17. und 18. September 1994 ?) habe bei der Begegnung einiger weniger Kulturreferenten einen "politischen" Beiklang erhalten, weil sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs Dr. W. Lampeter aus der einstigen DDR "der Mitgliedschaft angeschlossen hat".

Lampeters Mitgliedschaft bei der Gottscheer Landsmannschaft in Deutschland e.V. und seine Mitarbeit im Kulturreferat wurde wesentlich, weil er authentisch über das Programm der wirtschaftlichen Erneuerung der Volksgruppe aussagen konnte, das die Zielsetzung hatte, ihren Bestand im Königreich Jugoslawien zu sichern. In der Schriftenreihe der deutschen Landsmannschaft "Gottschee 1330-1941" Ausgabe 2, 1991 hat er spezifiziert den Aufbauplan und dessen teilweise Verwirklichung geschildert. "Politische" Themen gab es bei unseren Kulturtagungen nicht. Die Entstehung des slowenischen Staates wurde begrüßt, das Bestreben um die Anerkennung einer deutschen Minderheit selbstverständlich auch. Und selbstverständlich auch die Entstehung der Vereine "Peter Kosler" und "Gottscheer Altsiedler". Bei einer Diskussion über Entschädigungen, auch für Umsiedler, haben wir, Lampeter und ich, kategorisch erklärt, als Umsiedler nach dem deutsch-italienischen Vertrag haben wir keinen Anspruch auf eine Entschädigung seitens Sloweniens.

Die Ehrenmitgliedschaft unserer Landsmannschaft in Deutschland wurde Lampeter ob seiner Bedeutung als Agronom verliehen, gleichsam mit den Ehrungen der Universitäten Leipzig und Stuttgart-Hohenheim. Ehrenmitglied der Gottscheer Arbeitsgemeinschaft, Sitz Klagenfurt, war er nicht!

In "Iskalci Grala" kann es Frau Auersperger nicht lassen, oft den Namen Ludwig Kren zu nennen, auch da in Abstimmung mit Herrn John Tschinkel. Nun, er verdient es auch, denn sein Beitrag zur noch möglichen Pflege unseres Volkstums ist bedeutend: Sein Wirken als jahrelanger Redakteur der Gottscheer Zeitung, seine Vorträge in den Gottscheer Kulturwochen in Klagenfurt-Krastowitz und darüber hinaus, die Gestaltung des Jubiläumsbuches "650 Jahre Gottschee", seine Gedichte in gottscheer Mundart und anderes mehr. Daß er die Jugendgruppe der "Gottscheer Altsiedler" in Gottscheerisch unterrichtete, gemeinsam mit seiner Frau Gottscheerlieder einübte, ist das vielleicht eine Germanisierungsaktion? Mit einem "nazistischen" Motiv? Eine Unterstellung stammt wieder von John Tschinkel, vermerkt in "Iskalci Grala", Seite 224, letzter Absatz:

"Znano je, da so imeli nacisti program 'najprej mladina'." - "Es ist bekannt, daß die Nazisten zuallererst die Jugend im Programm hatten." Und weiter: "Aber weiß das diese Jugend oder wissen ihre Eltern, daß Ludwig Kren, der vor kurzem ihr Lehrer war, schon von Jugend auf ein guter Freund Lampeters und Lackners war und noch immer ihr intimer Freund ist ?"

Ludwig Kren war in seiner Jugend kein besonderer Freund von mir. Zu Lampeter war es wohl mehr ein Respektsverhältnis, weil der Gymnasialschüler Kren vom älteren Lampeter instruiert wurde. Ich hatte Kren erst bei den Vorbereitungen auf die Umsiedlung kennen gelernt, als ich ab Sommer 1941 die gottscheer Schüler der Lehrerbildungsanstalt Werbaß für die Gestaltung der Abschiedsfeiern herangezogen hatte. Ludwig Kren entstammt einer tief religiösen bäuerlichen Familie, seine Einstellung zur Volkstumspflege hatte und hat mit "nazistisch" überhaupt nichts gemein. Und seine Beziehungen als Volksschullehrer und Hauptschullehrer in Kärnten war eine freundschaftliche zum Slowenentum. Die Dankesgrüße vieler dieser einstigen Schüler zu seinem 80. Geburtstag bezeugen es. Freunde wurden wir nach 1960 im gemeinsamen Bemühen um das heimatliche Kulturerbe. Der Lyrikband "Dar schpuata Herbischt" dokumentiert es.

Es gibt in "Iskalci Grala" noch etliche Passagen, die einer Stellungnahme, einer Klarstellung bedürfen, aber ich mag nicht mehr. Zu Konfliktthemen im Zusammenhang mit den Aktivitäten des Vereines "Gottscheer Altsiedler" und auch speziell zu Fragen einer Anerkennung der deutschen Minderheit kann ich mich nicht konkret äußern.

Von Kind auf habe ich gottscheerisch, deutsch und slowenisch sprechen können, so gegeben ob der Umwelt in Mösel (Mozelj) und dann auch noch bei unserem Dasein am Rande der Stadt, im Umgang mit slowenischen Kindern, mit slowenischen Arbeitskräften im Betrieb meiner Eltern. Im Gymnasium habe ich im mladinski zbor - Jugendchor gesungen, habe Zugang in die beachtliche slowenische Literatur gefunden. Und ich hatte slowenische Verwandte, zwei Schwestern meiner Mutter und eine Schwester meines Vaters waren mit Slowenen verheiratet, loyalen Beamten, auch deutsch könnend. Aber:

Abschließend erzähle ich Frau Auersperger von jenen drei Begegnungen mit dem Slowenentum, die den Samen gesät haben zu meiner idealistischen Hinwendung zum Deutschtum von 1935 bis 1945, und vorwiegend zu meiner, unserer Volksgruppe bis heute.

1925 begann meine Schulzeit in Mösel, in der deutschen Klasse. In dieser war meine Schwester schon im dritten Schuljahr. Zum Schulbeginn im Herbst 1926 kam der Schulleiter Fritz Högler in die Klasse und forderte uns zwei auf, unsere Sachen zu packen und mit ihm zu kommen, vom ersten Stock hinunter ins Parterre, in die slowenische Klasse. Für mich war das was Besonderes, die slowenische Lehrerin Fräulein Krobat, eine "Ljubljanèanka - Laibacherin", hatte ich sehr gern. Unseren Eltern wurde mitgeteilt, daß diese Maßnahme von der Schulbehörde angeordnet wurden weil unser Großvater mütterlicherseits ein Slowene sei. Er stammte aus der zu Bresowitz, dem Geburtsort meiner Mutter, nahen Bela Krajina. 1927 übersiedelten wir in die Stadt. In der ersten Hälfte des dritten Schuljahres war ich noch in der slowenischen Klasse, dann durfte ich wieder in den Deutschunterricht. Meine Schwester besuchte die slowenische Bürgerschule für Mädchen im "Marijin dorn - Marienheim".

Ich kam im Herbst 1929 ins Gymnasium, die "Dr¾avna realna gimnazija". In der ersten Klasse saß ich in der dritten Bank zur Mitte hin. Mir gegenüber saß das Mädchen Bo¾ena, es gefiel mir sehr. An einem Sonntag, unser Gasthaus war voller Gäste, schrieb ich ihm in einem halbdunklen Winkel einen Liebesbrief. Am Montag gab ich ihn heimlich hinüber. Nach der ersten kurzen Pause, in der die Mädchen hinaus durften, schob mir Bo¾ena einen Zettel zu, darauf stand: "Jaz bi te¾e rada imela, ampak ti si nemec." - Ich würde Dich schon gern haben, aber Du bist ein Deutscher." Bo¾ena war die Tochter des Advokaten Dr. Sajovic.

1932 ging ich zum Sokol turnen. Mein Schulfreund Bo¾o Bi¾al, Sohn des Gemeindesekretärs und einer deutschen Mutter (Reininger), redete mir ständig zu. Ich turnte gern, zum deutschen Turnverein sollten oder durften wir als Schüler des Gymnasiums nicht. Meine Eltern willigten ungern ein, aber im Gasthaus hatten wir sonntags etliche slowenische Gäste, so den slowenischen Schulinspektor Betriani mit seinem Freundeskreis. Beim Turnfest des Sokols in Mitterdorf im Sommer war ich der einzige Deutsche. Deswegen überredete ich Ernstl Hönigmann von der Fleischhauerfamilie "Loise" und er kam auch zum Turnen im Saal der Volksschule. Am Schluß dieser Turnstunde zogen wir uns gemeinsam um, sprachen dabei irgendwas miteinander, selbstverständlich deutsch. Da kam der Vorturner Smole zornentbrannt auf uns zu und zischte: "Tu se ne govori nem¹ko!" - ["Hier wird nicht deutsch gesprochen!"] Wir gingen, für immer.

Frage an die GRAL-Auersperger: Hätte ich weiter in das Lied "Hej slovani ..." einstimmen sollen, das wir beim Marsch zum Fest nach Mitterdorf gesungen haben?

Jedoch, Frau Auersperger zur Kenntnis: Ähnliches ist mir dann auch während der Umsiedlung im Spätherbst 1941 widerfahren. Bei einer Besprechung des Bundesführers Steindl und Kreisführers Swoboda mit Lampeter, Sturm und mir in der Kreisführung Rann haben wir uns in einer Pause, etwas abseits stehend, gottscheerisch unterhalten. Da kam Steindl auf mich zu und äußerte: "Kamerad Lackner, diese Sprache solltet Ihr Euch allmählich abgewöhnen ... " Meine Reaktion: "Niemals. Bundesführer!" Die Umsiedlung war voll im Gange.



Richard Lackner, Ehrenvorsitzender d. Gottscheer Landsmannschaft in Deutschland e.V.

Univ. Prof. Dipl. Ing. J. Tschinkel, New York, hat 1999 im Eigenverlag eine Schrift veröffentlicht mit dem Titel "Das Ende der Gottscheer als Ethnische Gruppe - Die Dokumentierten Tatsachen." John Tschinkel, Sohn des Johann Tschinkel, Masern, und der Marija, geborene Ilc aus Dolenja vas (Niederdorf bei Reifnitz), war bei der Umsiedlung unserer Volksgruppe im Winter 1941/42 in die von Deutschland besetzte Untersteiermark zehn Jahre alt. Sein Vater, geb. 1893, Kriegsinvalide, soll der damaligen Gottscheer Führung sehr gewogen und ein begeisterter Anhänger der damaligen Bewegung in Gottschee gewesen sein. John Tschinkel versucht in seiner Schrift zu "dokumentieren", daß alle Schuld am Zustandekommen und an der Durchführung der Umsiedlung der damaligen Volksgruppenführung zuzuschreiben sei. Dabei beruft er sich auf die Dissertation von Hans Hermann Frensing "Die Umsiedlung der Gottscheer Deutschen", in Buchform erschienen 1970, aus der er, aus dem Zusammenhang gerissen, nur Negatives zitiert. Die Dissertation Frensings ist eine sehr gründliche Untersuchung und Darlegung der Umsiedlungsaktion, fußend auf Unterlagen der verschiedenen, meist reichsdeutschen amtlichen Stellen und Organisationen. Einige wenige Unterlagen, die nicht unterzeichnet sind, werden irrtümlich Angehörigen der Volksgruppenführung zugeschrieben.

Tschinkel zitiert in seiner Schrift Stellen, mit denen er seine Schuldzuweisungen zu begründen versucht: Betrüger und Verräter am Gottscheer Volk, schuldig am Verlust der Heimat. Auf Einzelheiten in der in einem mangelhaften Deutsch verfaßten Schrift gehe ich nicht ein. Diese Schrift hat Tschinkel allen möglichen Institutionen und Persönlichkeiten zugesandt, schon vorher hat er dementsprechende Schreiben an slowenische und österreichische Regierungsstellen gerichtet. Die Reaktionen darauf sind mir nicht bekannt, also weiß ich nicht, inwieweit sein Agieren ernst genommen wurde und wird.

Die Zeitung "Neue Westfälische" (Hauptredaktion in Bielefeld) brachte in ihrer Ausgabe "Tagblatt für Enger und Spenge" vom 10. Juli 1999 den Artikel "Dr. Frensings Doktorarbeit über die Umsiedlung der Gottscheer Deutschen wird ins Englische übersetzt. Hintergründe über den Verlust der Heimat". Eine sachlich einwandfreie, vor allem aber vollständige Übersetzung dieser ausführlichen Dissertation mit sämtlichen Anmerkungen wäre nur zu begrüßen, denn in ihr wird auch dokumentiert, daß das Volksgruppendenken der Umgesiedelten auf Anweisung der reichsdeutschen Umsiedlungsbehörde baldmöglichst unterbunden werden sollte, unser Gottscheertum im Einheitsdeutschtum aufzugehen habe. (Der Bundesführer des Steirischen Heimatbundes, Franz Steindl, sagte zu mir im Jänner 1942: "Kamerad Lackner, diese Eure Sprache [die Gottscheer Mundart] solltet Ihr bald vergessen!" Meine jugendlich spontane Antwort: "Niemals, Bundesführer!")

Eine Vorauswahl von Zitaten Tschinkels aus der Dissertation wurde mir im März d. J. zugesandt. Sie war so einseitig, daß ich sie in einem Brief an Dr. Frensing als "historische Falschmünzerei" bezeichnet habe. Leider war meine Formulierung im Zusammenhang mit dem vorhergehenden Text wohl nicht präzise genug, was mir von Frensing bedauerlicherweise so ausgelegt wurde, als hätte ich damit seine gesamte Dissertation gemeint.

An einer Stelle des Artikels in der "Neuen Westfälischen" heißt es: "Denn die Gottscheer Landsmannschaften werden noch immer von den alten Leuten geführt. Und die betrieben Geschichtsklitterung, sind sich Dr. Hans Hermann Frensing und John Tschinkel einig. Die alten Kader behaupten immer noch, daß die Slowenen und Kommunisten die Gottscheer aus ihrer angestammten Heimat vertrieben hätten." (Meine Anmerkung: Das kann doch nur ein Hörfehler oder ein Schreibfehler des Journalisten sein?) Und weiter unten: "Für Tschinkel steht jedoch fest: ohne Umsiedlung auch keine Vertreibung." Ob dieser Behauptung, in einer angesehenen westfälischen Zeitung kommentarlos veröffentlicht, habe ich die angefügte Übersetzung der bebilderten Broschüre "Kri¾ni pot Slovencev. Koèevski Rog" [Der Kreuzweg der Slowenen. Gottscheer Hornwald] vorgenommen, die das Stadtpfarramt Koèevje 1998 herausgegeben hat.

[Unterstreichungen vom Verfasser dieses Schreibens.]



Die bebilderte Folge der Kreuzwegstationen im Hornwald:
KRI®EV POT SLOVENCEV. Koèevski Rog. ®upnijski urad Koèevje. 1998.

Klappentext von Pfarrer Marjan Lampret, übersetzt von Richard Lackner:

In den Abgründen und Karstdolinen, im Inneren des Gottscheer Hornwaldes ruhen mehrere tausend, sogar einige zehntausend Opfer des kommunistischen Nachkriegsabrechnens mit den Besiegten des Zweiten Weltkrieges. Es geht um mehr als zehntausend aus Vetrinje [= Viktring bei Klagenfurt] zurückgekehrten slowenischen Domobrancen. Diese haben in den letzten Tagen des Mai und ersten Tagen des Juni 1945 nach dem Vorbild der bolschewistischen Ideologie die Sieger des mörderischen Bruderkrieges ohne Gerichtsurteil und ohne Erbarmen in den Wäldern des Hornwaldes hingemordet. Das gleiche Schicksal ereilte Kosaken, Wlassow-Truppen, Ljotic-Truppen, kroatische Domobrancen und noch andere, aber mit dem Unterschied, daß Stalin nur Offiziere ermordete, einfache Soldaten in den Gulag schickte.

Das Morden im Hornwald war den Augen der Öffentlichkeit verborgen, doch die Detonationen waren bis Gottschee zu hören, wo man munkelte, daß sie mehrfach auch minderjährige Burschen ermorden, die während des Krieges nicht auf der "richtigen Seite" waren. Der Osten hat nicht öffentlich triumphiert, der Westen hat hinterhältig geschwiegen. Das Verbrechen mußte gerechtfertigt werden, daher haben die Henker alle Erschlagenen zu Volksverrätern, Verbrechern und Feinden des Staates erklärt. Das Verbrechen mußte auch verheimlicht werden, darum war es gewöhnlichen Sterblichen, womöglichen Angehörigen von Ermordeten verboten, in den Hornwald zu gehen oder sogar Kerzen für sie anzuzünden, zu beten ... alles bis zum Jahr 1990. Vom Morden im Gottscheer Hornwald durfte nicht gesprochen werden. Die Nachkriegsobrigkeit in Slowenien hat die Mordstätten sorgfältig überwacht. Die zuständigen Organe haben wachsam acht gegeben, daß sich in der Umgebung der angestellten Verbrechen niemand aufgehalten hat, aber trotzdem haben jedes Jahr zu Allerheiligen an diesen Orten Kerzen gebrannt, einige Baumstämme waren mit Kreuzen gezeichnet und waren darum in der Folge zum Gefälltwerden verurteilt.

Vielen ist es gelungen aus dem Hornwald zu fliehen. Einige leben noch, vor allem im fernen Amerika. Die Regierung Sloweniens hat nur teilweise das Genozid ihres Volkes zugegeben, als sie diesen Leuten nach 45 Jahren erstmals erlaubte, frei die Staatsgrenze zu überschreiten und auf Besuch in den Hornwald und die anderen Hinrichtungsstätten in unserer Heimat zu kommen. Die aus den Abgründen des Hornwaldes Geretteten erzählen, daß ihre Brüder zu zweit aneinandergebunden in die Gruben fielen mit dem Ausruf: "Vater verzeih ihnen" und "auf Wiedersehen über den Sternen!" Die Versöhnung wurde also als Keim schon in die blutige Erde des Hornwaldes gelegt. Den unbelasteten Nachkommen jener, die mordeten und jener, die ermordet sind - entweder im Hornwald, oder in anderen Orten unseres Landes - wünschen wir, daß sie für die Versöhnung unter den Lebenden arbeiten.

Eine von den schönsten möglichen Arten dazu ist der errichtete Kreuzweg, eine Arbeit des Gottscheer Künstlers Herrn Stane Jarm, der die Stationen des Kreuzweges nicht nur hergestellt, sondern schon vor Jahren "empfangen" und sie, von einer unsichtbaren Kraft gedrängt, geboren hat. Die Stationen reihen sich in einer Entfernung von 1200 Metern in der Richtung Seele - Grube unter dem Kren. Wir haben sie "Kreuzweg der Slowenen" benannt - Kreuzweg jener, die in den Tod getrieben wurden; jener, die sie getrieben haben, und jener, die auf ihrem letzten Weg in den Tod hinzugekommen sind. Der Kreuzweg lädt die Besucher zur Versöhnungswallfahrt ein, darum steht am Ende dieses Weges vor der fünfzehnten Station des auferstandenen Christus der Altar mit dem Wort "VERZEIH". Wer es aussprechen wird, wird, gewollt oder ungewollt, schon in die Umarmung des Verzeihens einbezogen sein.

Bei der Verwirklichung und Aufstellung des "Kreuzweges der Slowenen" haben einzelne mitgearbeitet, die im Namen des verwundeten Gottscheerlandes mit ihrem freiwilligen Beitrag dieses Handeln als eine Gabe an den slowenischen Staat ausweisen: der Künstler Stane Jarm, akademischer Bildhauer, mag. Branko Ju¾niè, Dipl. Forstingenieur, Tone Prelesnik, Dipl. Forstingenieur, Janez ®lindra, Diplom-Landwirt, und ungenannte Mitarbeiter. Der Staat Slowenien wird sich vielleicht als rechtmäßiger Nachfolger jener, die den Golgathaweg im Hornwald begonnen haben, von jetzt an leichter der Wahrheit des Nachkriegs Verbrechens stellen, und auch selbst einen Schritt zur Versöhnung machen, zur Wiederbelebung der geschichtlichen Erinnerung und zur Beruhigung des Volkes. Die Einladung zur Wallfahrt in den Hornwald mit dem Gekreuzigten gilt vor allem, ohne Ausnahme - all jenen, die bereit sind, das Wort "VERZEIH" auszusprechen und es zu leben.

Gedicht auf der vierten Umschlagseite:


ICH KOMME.

Ich komme mit dem Weinen Gottes
und der Kälte leerer Heime,
mit dem Sterben der Generationen und dem Atem lebendigen Waldes.

Ich komme mit Blumen verschwiegener Gräber,
dem Bächlein Blut, das im Abgrund rauscht
und mit der Flucht des Wolfes aus diesem Urwald.

Ich komme mit dem Herzen voller Messer.

Ich komme und schütte vor dich hin
die Rosenkränze meines letzten Weges
und bitte dich, Henker - Bruder:

Schau mir noch einmal in die Augen!

Sonja Ofak.
(Übersetzung: Richard Lackner)


Deutscher Text auf der dritten Umschlagseite

Erste Station: Viktring 1945, Mai / Juni - verurteilt zur Rückkehr, zum Tode.

Zweite Station: Sie werden auf die Waggone aufgeladen, die Angelogenen gehorchen.

Dritte Station: Bald beginnen Schläge und Fußtritte auf sie zu fallen.

Vierte Station: In Jesenice treffen sie sich mit der Heimat, der Mutter Slowenien.

Fünfte Station: Ihre Simons von Zyrene sind Lokomotivführer, einzelne Bewacher mit Herz und Chauffeure, die ihnen mehr oder weniger helfen, das Kreuz zu tragen, das man ihnen aufgeladen hat.

Sechste Station: Das Schweißtuch der Veronika ist die im Gedächtnis eingeprägte Ahnung der Ihrigen, die um ihr Kalvaria gewußt haben, aber sie nicht sehen durften und die ihnen die blutigen Schweißtropfen nicht abwischen konnten.

Siebente Station: Wieder und wieder fallen sie, erschöpft, ausgehungert, durstig.

Achte Station: Den Müttern und Frauen war nicht gegeben, sie zu treffen; allein beschreiten sie den Weg den ihnen die Henker bestimmt haben - ohne eine geringste Spur von Menschlichkeit.

Neunte Station: Und erneut fallen sie; geschlagen sind sie, leidtragend - die Leiden steigern sich.

Zehnte Station: Den Durstigen geben sie nichts zu trinken, sie ziehen sie aus. Das Leiden überschreitet die Schwelle des Möglichen.

Elfte Station: Die Entkleideten laden sie auf Lastwagen auf. Die mit Draht Gebundenen fahren sie zur Hinrichtungsstätte.

Zwölfte Station: Sie sterben durchschossen am Rande des Abgrundes, sterben im Fallen, einige sterben noch lange. Das Grab füllt sich. Körper über Körper. Tausende. Zehntausende.

Dreizehnte Station: Tote. Mütter dürfen nicht einmal tote Söhne in die Arme nehmen.

Vierzehnte Station: Begraben sind sie unter den Körpern ihrer Kameraden, danach verminen ihnen die Henker noch das Grab. Fünfzig Jahre wird ihr Tod verschwiegen und ihr Andenken verboten sein.

Fünfzehnte Station: Der auferstandene Christus über der Grabstätte der Märtyrer ist die einzige Bürgschaft der Gerechtigkeit und ihres Sieges.



Ohne Umsiedlung keine Vertreibung?

Frensing beschließt die Schlußbetrachtung seiner Dissertation auf Seite 151 mit folgendem Satz: "Vielleicht hatte die Umsiedlung der Jahre 1941/42 jedoch bewirkt, daß die Chance des Überlebens in der "neuen Heimat" angesichts der außerordentlich blutigen Partisanenkämpfe im alten Gottscheerland größer gewesen war; ebenso verhielt es sich mit der Flucht nach Österreich, die den meisten - oft nach vielen Leidensstationen - doch noch glückte."

Ohne Umsiedlung keine Vertreibung - sondern Hornwald?





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